Mutlu yıllar (Frohes neues Jahr)

Um direkt an meine Wiederkehr aus Syrien anzuschließen – Ich hab Besuch aus Deutschland bekommen, Felix, seine Freundin Maria und Martin sind zum Wochenende vor Weihnachten zu Besuch gekommen. Leider zum wahrscheinlich ungünstigst denkbaren Zeitpunkt, da ich Mittwoch das erste Mal beim Arzt war, und die drei Donnerstag schon gekommen sind. Das mit dem Arzt ist hier sowieso so ne Sache, da die Behandlung, und im Prinzip auch die Medikamente an der Uni zwar kostenlos sind, aber die Ärzte beide komischerweise soviel Englisch können wie 6. Klässler was zu einigen Verwirrungen führen kann und meist so endet das man einfach nen Studenten aus dem Wartezimmer dazu holt der dann übersetzt (was unter Umständen zu sehr peinlichen Situationen führen kann). Ich hab dann einiges an Medikamenten bekommen und 7 Tage später ging es mir dann wieder annehmbar gut, so von wegen normal essen, kein Fieber mehr und so…
Doof war das ganze wie gesagt ziemlich da ich eigentlich vorhatte mit den drei sowohl feiern zu gehen als auch ihnen die Stadt zu zeigen, was sich größtenteils erledigte, da ich 16 Stunden täglich geschlafen habe und nicht wirklich gut zu Fuß war. Sie sind dann bis auf anderthalb Tage alleine los und wir haben uns dann Abends wenigstens ein bisschen zusammengesetzt, aber wie gesagt, bin immer noch ein bisschen zerknirscht deswegen.
Zu Weihnachten habe ich mich dann wieder getraut mal was zu normales zu essen, selbst wenn ich es ein bisschen weit getrieben habe und das ganze ganz schön nach hinten hätte losgehen können: Wir haben uns alle am 25. Abends bei Tessa und Hendrik, dem Holländerpärchen getroffen und mit ca. 15 Personen ein riesiges Weihnachtsessen veranstaltet. Jeder hat etwas gekocht oder zubereitet, da gab es von Köttbullar (die Ikea Fleischbällchen), Kürbissuppe, nen Truthahn und vieles mehr – ich bin morgens zum Gewürzbasar gegangen, habe haufenweise Zeug gekauft und nen Riesentopf Glühwein gemacht. Ich bin bis 7 Uhr morgens dageblieben und habe im großen und ganzen 10 Stunden lang gegessen 😀 war mal wieder nötig und hat ohne gesundheitlichen Rückschlag geklappt. An weihnachtlicher Stimmung war das der absolute Höhepunkt, denn ansonsten ist hier mit Festtagsstimmung natürlich nicht viel. Zwar ist der Taksimplatz geschmückt und dort steht sogar eine Art „Weihnachtsbaum“ aus Lichtern, aber es wird strikt darauf bestanden das das Neujahrsschmuck ist. Das ganze wird einfach in einen „westliche Kultur-Folklore“ Topf geworfen und hier verwertet, das Neujahrsfest war auch relativ verhalten weil es traditionell einfach nicht so tief verwurzelt ist wie z.B. der Bayram, und irgendwann importiert wurde.
An Heiligabend (was der einzige Tag war an dem es hier geschneit hat) war ich mit den Holländern in einer französischen Kirche um die Ecke, wenn ich es richtig verstanden habe war der Herr der den Gottesdienst gehalten hat der ansässige Bischof.
Die Tage danach hab ich außer lernen und erholen nicht viel gemacht, in der ersten Woche des neuen Jahres ging es dann direkt mit zwei Klausuren weiter.
Zu Silvester haben wir uns erst bei den Holländern getroffen und sind vor Mitternacht auf die Galatabrücke gegangen um uns das Feuerwerk über dem Goldenen Horn und dem Bosporus anzusehen. War sehr sehr lustig, es waren viele Gäste aus Holland dabei, insgesamt waren wir an die 25 Leute. Aus dem Feuerwerk wurde dann nichts, bzw. nur soviel wie in einem 1000 Einwohner Dorf in Deutschland. Wir haben uns alle gewundert, die meisten Leute waren auch ziemlich verhalten und haben uns eher belustigt angestarrt. Ich weiß nicht ob auch das ein Ausdruck des Kulturunterschiedes ist oder der andere Grund, wir haben nämlich ein paar Tage später rausgefunden das sowohl das große Fest aufm Taksim als auch die meisten Feuerwerke wohl wegen dem momentanen Krieg in Gaza abgesagt wurden…
Danach ging weiter auf eine Kellerparty in Eminönü, der Altstadt. Angekündigt wurde das ganze als Party in einer Jahrhunderte alten Zisterne mit haufenweise Studenten und Freibier – die Realität sah dann so aus das es zwar ein wahrscheinlich alter und relativ großer Keller war, nach ner Zisterne sah das ganze aber nicht aus. Zu allem Überfluss war auf dem Klo auch ne Wasserleitung kaputt so das das Wasser gute 5cm hoch stand, außerdem war die Garderobe voll als wir ankamen, was einige Leute Schals und Jacken gekostet hat. Karten wurden auch viel zu viele verkauft, so das es ein Gedränge wie beim Sommerschlussverkauf gab. Irgendwie wars dann doch nicht so schlimm wie es sich anhört, der Knaller war es aber auf keinen Fall.

Frohen ersten Advent!

Ich wünschte hier wäre wenigstens ein bisschen Weihnachtsstimmung anwesend. Das einzige was hier daran erinnert ist das geschmückte deutsche Konsulat. Wenn ich irgendwas aus Deutschland vermisse dann sind es die Weihnachtsmärkte inklusive all den Leckereien und Bratwurstständen… Das Wetter ist ziemlich wechselhaft – letzte Woche waren es nochmal 20°C mit Sonnenschein, ein paar Tage später ging es dann wieder in Dauerregen und Kälte über.
Freitag und Samstag war ich in Ankara und habe Ahmet, einen Freund den ich in den ersten Wochen kennen gelernt habe, besucht. Er studiert und wohnt dort zusammen mit seiner Freundin. Ich hab auf ihrem Sofa geschlafen, alle waren wie immer hier extrem gute Gastgeber. Ankara an sich ist … sorry ich kann nicht anders sagen: echt scheußlich! Alle die schon da waren, inklusive meiner Mitbewohner, hatten mich gewarnt, aber wie schlimm kann die Hauptstadt eines Landes wie der Türkei schon aussehen… weit gefehlt. Die Stadt besteht ausnahmslos aus riesigen Betonklötzen. Nicht nur die üblichen Satellitensiedlungen um die Stadt sind in dieser, sehr an die Vorstellung erinnernd die man von irgendeiner kommunistischen Plansiedlung in Ostsibirien hat, Art erbaut, sondern auch die komplette Innenstadt. Unterbrochen wird das ganze nur von den Ministerien und Regierungsgebäuden, die zwar auch größtenteils Betonklötze sind, jedoch meist wenigstens eine Art eigenen Stil besitzen. Der wohlausschlaggebende Punkt der für Ankara als Hauptstadt war neben dem Bruch mit dem osmanischen Istanbul vor allem der Fakt das sie für Armeen unerreichbar weit draussen  liegt. Allerdings ist es auch nicht schwer etwas weniger schönes als Istanbul zu finden wenn man von dort kommt.
Eine der wenigen Sehenswürdigkeiten ist das Anitkabir, das Mausoleum von Kemal Atatürk. Eine Kommilitonin aus Berlin hat mich schon darauf vorbereitet und mir ausführlich die Parallelen zwischen der Architektur des Mausoleums und des Flughafens Berlin Tempelhof beschrieben. Der Komplex war, selbst wenn ich es mir noch größer vorgestellt hatte, sehr beeindruckend und strikt. Mal abgesehen vom „Tempel“ in dem Atatürks Sargopharg liegt gibt es natürlich noch ein recht ausführliches Museum das diverse Devotionalien und Gebrauchsgegenstände beheimatet. Angeschlossen an dieses Museum ist dann noch das Museum über den so genannten türkischen Unabhängigkeitskrieg (ein Term der von den meisten Professoren gemieden oder zumindest mit kritischen Hinweisen verwendet wird). Das Kriegsmuseum ist wie man es erwartet, voll von Ausstellungsstücken, nachgestellten Schlachtszenen und Gemälden vom aufopferungsvollen Kampf der Türken gegen die massakrierenden und marodierenden Griechen, aber was erwartet man schon wenn man ins quasi nationale Heiligtum einer solch nationalistischen Nation fährt, ich bin mir fast sicher das das Militärmuseum in Athen sehr ähnlich aussieht. Beste Freunde werden die beiden Länder wohl nie. Daneben gibt es natürlich noch einen Filmraum in dem ein etwas zu krass schmalzig-nationalistischer Film über Atatürks Leben läuft, aber wie schon gesagt, ich beschwer mich nicht, ich bin ja hingefahren und wusste was mich erwartet. Interessant war es allemal.


Abends waren wir dann noch was trinken mit ein paar von Ahmets Freunden, Samstag früh bin ich dann wieder nach Istanbul gefahren. Da ich verschlafen hatte bin ich mit nem Bus gefahren. Die Busse zwischen Ankara und Istanbul fahren selbst Samstags im 30Min Takt, was mir sehr entgegen kam. Die Fahrt an sich war echt schön, hin gefahren bin ich ja nachts so das ich nichts gesehen habe, auf der Rückfahrt gab es dann die ganze Vielfalt der anatolischen Landschaft zu sehen. Ich bin ja nun echt kein ausgesprochener Natur- bzw. Landschaftsfreund, aber überrascht und beeindruckt hat es mich trotzdem. Innerhalb von 50km reicht das Spektrum der Landschaft von Alpental-ähnlicher Bachkulisse über waldiges Seeufer bis schroffe, karge Marslandschaft mit nichts ausser ein paar Grasbüscheln und Flechten, im Hintergrund immer riesige Berge mit Schneekuppen.

Das ganze wäre allerdings noch besser zu genießen gewesen wenn ich am Fenster hätte sitzen können, was mir wie folgt verwehrt wurde: Der Bus hatte ca. 50 Plätze von denen insgesamt 16 belegt waren. Da die Plätze der Reihe nach verkauft wurden befanden sich alle Mitfahrer in den ersten vier Reihen des Busses, was auch den Rest der Fahrt so blieb. Als ich mich umsetzen wollte, weil ich zum Gang saß, hinter mir ein Baby schrie und der Typ neben mir geschnarcht hat, kam der Busbegleiter und mahnte mich sehr aggressiv „no change seat, no change seat!!!“. Mein Türkisch war leider zu schlecht um ihm irgendwas entgegen zu setzen und er sprach anscheinend auch nicht mehr Englisch als diese paar Wörter. Warum ich mich nicht umsetzen dürfte kann ich noch nicht mal erraten, aber als ich später nochmal versuchte bekam ich die gleiche unfreundliche Reaktion, so was hätte ich in Deutschland erwartet, hier hat es mich sehr überrascht .

An der Uni läufts ganz gut, die Mid-terms die nichts mit Philosophie zu tun hatten waren wesentlich besser, außerdem hab ich endlich angefangen das Unisportzentrum zu nutzen was nach einer Stunde Squash in 5 tägigem Muskelkater endete. Trotzdem toll, und alles umsonst – Squash ist echt nur zu empfehlen. Unter der Woche hab ich relativ viel mit dem Holländerpärchen und zwei Englandern zu tun, mit denen ich auch das Freundschaftsspiel letzte Woche zusammen verfolgt habe, Sprüche muss ich mir trotz unserer 1:2 Niederlage aber zum Glück nicht mehr anhören.
Nächste Woche gibts dann nochmal ne Woche Bayram Ferien. In diesen werde ich meine zweiteilige „Achse des Bösen Tour 08/09“ beginnen und über Gaziantep im Süden der Türkei nach Aleppo, Damaskus und Beirut fahren, worauf ich mich schon freue wie Bolle. Meine beiden Mitbewohner sind ja beide in Syrien aufgewachsen und haben von daher genügend Erfahrung und haufenweise Tipps für mich. Von Syrien hab ich bis jetzt nur gutes gehört, die Leute sollen aufgrund des nicht besonders positiven Bildes ihres Landes im Ausland, NOCH freundlicher sein, mal abgesehen davon das es dort natürlich, wie hier, geschichtsträchtige Orte en masse gibt.
Eigentlich wollte ich ja mit Omar aus Darmstadt fahren, aber ich habe mich erst vor ein paar Tagen endgültig dazu entschieden zu fahren, und wenn es so gut wird wie ich glaube werden mir die 11 Tage die ich frei habe eh nicht genug für das Land sein – und der Flug ist nicht allzu teuer.

Zum Schluss noch eine Filmkritik. Ich habe vor zwei Wochen mit Lars den Film „Kurtlar Vadisi: Irak“ gesehen. Sobald ich anfange davon zu reden muss ich echt zweimal überlegen bevor die Worte meinen Mund verlassen, denn so was hab ich einfach noch nicht gesehen. Der Film ist die Kino Version der beliebten Serie Kurtlar Vadisi (Tal der Wölfe) in dem der Protagonist, ein Geheimagent, die Mafia unterwandert und zerschlägt. Der Film hat sehr lose etwas mit der sog. „Sackaffäre“ zu tun bei der türkische Soldaten im Nordirak von Amerikanern festgenommen und mit Säcken über dem Kopf abgeführt wurden. Der Held des Films fährt mit seinen zwei Agentenfreunden in den Irak um den Organhandel treibenden, Kinder erschießenden US General aufzufinden und die Ehre der türkischen Nation wiederherzustellen indem er ihm einen Sack über den Kopf zieht. Eingespielt werden Szenen in denen US Soldaten Hochzeitsgesellschaften stürmen, dort Kinder erschießen und die gesamte Hochzeitsgesellschaft nach Abu-Ghraib deportieren wo sie nach der Folter von einem jüdischen Arzt ausgeweidet werden der dann ihre Organe nach London, New York und Tel Aviv verschifft. Auf dem Weg dorthin lassen haufenweise Kurden, offensichtlich Kollaborateure, ihr Leben.
Ich werd es nicht weiter ausführen, mehr als nur die Spitze des Eisberges ist es aber nicht. Der Film ist Action-technisch sehr gut gemacht, was damit zu erklären ist das es die teuerste jemals produzierte türkische Film ist. Der gesamte Film ist durchzogen mit allgegenwärtigem Antiamerikanismus, Antisemitismus und Seitenhieben in alle Richtungen, so ist das Hobby des US Generals zum Beispiel Klavierspielen, wobei er immer nur ein Stück spielt, die Ode an die Freude, die Hymne der EU…
Der Film hat schon als er raus kam für haufenweise Ärger gesorgt, leider nur in Deutschland wo er in einigen Kinos lief – in der Türkei war es der erfolgreichste Film aller Zeiten, der Ministerpräsident lobte ihn usw…
Genug des Ärgers, ich mag das Land immer mehr, aber wenn ich dann so was sehe…
Sogar Lars, der schon seit 3 Jahren hier wohnt war erheblich schockiert, Amer hat uns nur verächtlich angeguckt als wir ihm gesagt haben was auf dem Filmprogramm für den Abend steht. Am Ende ist Rambo auch nicht besonders politisch korrekt, aber irgendwo is auch mal gut

Artikel aus der „ZEIT“

In zwei Wochen kommt dann auch schon wieder der nächste Besuch, freu mich schon, eine wunderbare Vorweihnachtszeit noch.

Wahl, dies und das

Nach wieder etwas länger gewordener Pause, hier mal wieder der aktuellste Stand der Dinge.
Zu den US Wahlen, dem geistigen Highlight der letzten Wochen habe ich mich schon vor Wochen auf die Gästeliste des US Konsulats setzen lassen – war erstaunlich einfach mit einer Mail abgetan. Das Konsulat selbst, das Gerüchten zufolge am besten befestigtste Botschaftsgebäude der Welt, welches auf einem eigenen kleinen Berg/Hügel im Norden der Stadt steht, ist ein bisschen schwer zu erreichen, weshalb die Veranstaltung auch nicht dort stattfand. Im Gegensatz zum deutschen, französischen und eigentlich fast allen anderen Konsulaten befindet sich das US Konsulat wohl zurecht weit außerhalb enger, von Menschenmassen frequentierter Gegenden, denn der letzte Anschlag mit längeren Schusswechseln und sechs Toten liegt nur ein paar Monate zurück.
Wie schon angesprochen fand das “Election breakfast” dann woanders statt, nämlich im um einiges näheren Sheraton Hotel. Durch die Zeitverschiebung und die Zeit die die Auszählung braucht, begann das ganze erst um sieben Uhr morgens, was es zu einem Kraftakt für mich machte da ich die ganze Nacht über schon am Laptop gehockt hatte und den TV-Livestream über die Wahlnacht verfolgt hatte. Völlig verpennt und ausgehungert (das nicht ohne Absicht ;)) kam ich dann pünktlich um 6.55 Uhr an um gerade noch den Anfang von Obamas Siegesrede zu sehen, das es kein enges Rennen werden würde war ja schon gegen 3 Uhr klar. Das Frühstück selbst war trotzdem wirklich super interessant, hier ein paar miese Fotos


Man hatte sich richtig Mühe gegeben und einiges in Dekoration investiert – an den Wänden unter der Decke hingen alle Flaggen und Siegel der einzelnen 50 Bundesstaaten und aller assoziierter Territorien, alles war voll bis oben hin mit rot-weiß-blauen Luftballons, Girlanden und sonstigem Bimbes. Es gab Essen im Massen umsonst, da als Sponsoren alles amerikanische von Starbucks über McDonalds bis hin zu Pepsi UND Coca Cola da war und Stände mit haufenweise Personal unterhielt das beim kleinsten Blick auf all die Leckereien auf einen zugesprungen kam und mit Speis und Trank überhäufte.
Insgesamt waren um die 15 Kamerateams da, und der wie gesagt ziemlich verschlafene und tranige David dürfte Live Interviews für Channel 6 News und Al-Arabiya geben. Das das ganze Live war hat man leider erst danach mitbekommen. Die Kamerateams haben alles was nur annähernd studentisch aussah (und das waren einige) angesprungen und vor die Kamera gezerrt. Drei meiner Kommilitonen haben mit ein bisschen mehr Enthusiasmus das gleiche für andere Sender gemacht. Am End war es nicht so spektakulär wie es sich anhört, über das Niveau von „Wo kommen Sie her und wie gefällt Ihnen die Türkei“ und „Was sehen Sie in der Wahl von Obama“ gingen die Fragen nicht hinaus. Gegen Ende der Veranstaltung hielt dann noch die Generalkonsulin einen Vortrag wie sehr die USA und die Türkei sich mögen etc. Zum Schluss gab es noch eine Podiumsdiskussion, oder eine Reihe aneinander angereihter Statements türkischer Politologen (einer von meiner Uni war auch dabei), zur Wahl. Leider komplett in Türkisch, was den Lautstärkepegel der Veranstaltung ziemlich negativ beeinflusste da nur gut die Hälfte der Anwesenden das Professorenteam verstand…
Völlig im Eimer, aber glücklich wie der Rest der Welt (und vor allem satt und mit Haufenweise Nippes bepackt) bin ich dann gegen 11 nach hause gefahren und wie ein Stein ins Bett geplumpst.

Die ersten Klausuren sind geschrieben, mit politischer Philosophie werd ich irgendwie nie so recht Freund werden, weder hier noch in Deutschland. Trotzdem lief alles ganz ok, die nächsten mid-term-exams folgen dann in zwei Wochen und im Dezember.
Letzte Woche war Atatürks Todestag, an dem, wie in jedem Artikel über die Türkei beschrieben, das ganze Land still steht. Habs mir irgendwie ehrfurchtgebietender vorgestellt, was allerdings daran gelegen haben mag das ich grad im Bus in die Uni saß und die Landesweite Schweigeminute mit Verkehrsstillstand nicht aus voller Fahrt erleben konnte da der Verkehr an dem Morgen sowieso ziemlich stockend war und um exakt 9.05, dem Todeszeitpunkt, gerade ausnahmsweise freie Fahrt war so das der Busfahrer dann nicht wirklich voll der Andacht war und Gas gegeben hat um wenigstens ein bisschen vom Fleck zu kommen. Aber von pathosangereicherten Feiern hab ich sowieso erstmal genug 😉
Zum Schluss noch die freudige Nachricht das ich endlich eine normale Kingsize Maztratze mein eigen nennen kann. Bis jetzt hab ich auf einer Luftmatratze geschlafen die mir mein Vorgänger hinterlassen hatte. Hört sich schlimmer an als es war, denn es war ne gute, die nix mit Camping zu tun hat. Und schließlich hat er auch ein Jahr drauf geschlafen. Letzten Endes hab ich sie zu stark aufgepumpt weshalb sie durch einige schwierig zu erklärende Prozesse in ihrem Inneren zum Schluss aussah wie eine Mischung aus schwangerer Seekuh und Sitzsack. Bin ins Nachbarviertel Besiktas gefahren und hab dort gesucht, da es bei mir um die Ecke nur Tourikram und Luxusprodukte gibt. Besiktas ist eher ein Einheimischenviertel, so dass es nicht allzu schwer war die „Matratzenstrasse“ ausfindig zu machen (in Istanbul sind Strassenzüge oft nach Produktangeboten organisiert, so gibt es neben der recht bekannten Musikstrasse auch die weniger berühmte Lampen-, Badezimmerarmaturen- und Toilettenstrasse).
Anyways, hab ne gute billige Matratze gefunden und schlafe letzten Endes doch deutlich besser.

Zu guter Letzt noch zwei Spiegel-Artikel die zwei hier aktuelle Themen relativ gut wiedergeben.
Auf die Klage des Bürgermeisters der Stadt „BATMAN“ warte ich schon seit dem ich vor Jahren das erste mal von dieser Kuriosität gehört habe, mit dem Atatürkfilm kann man ein weiteres mal anhand von Reaktionen und Sekundärereignissen recht gut sehen welch kompliziertes Verhältnis die Türken sowohl zu ihrem Staatsgründer als auch zu einigen schwierigen Ereignissen in ihrer Vergangenheit haben – ohne das in irgendeiner Wiese zu werten. Interessant ist es allemal.

Neuer Atatürkfilm sorgt für Kontroversen

Türkischer Bürgermeister verklagt Warner-Bros.

Halloween

Freitag war ja bekanntlich Halloween, weshalb die ganzen englischsprachigen „Expats“ (Expatriates=Auswanderer) hier Halloween gefeiert haben. Wir sind zu einer von Amirs Freundinnen gegangen und hatten unseren Spaß

Happy Birthday

Nachdem ich ja den Stress mit der Aufentaltsgenehmigung schon geschildert habe, bin ich letzte Woche nochmal in die Kaserne gegangen um mir den Wisch abzuholen. Verfolgt von der Angst wieder 7 Stunden warten zu müssen hab ich mich mit ein paar Kommilitonen auf den Weg gemacht. Diesmal sind wir erst mittags hingegangen, was sich als ziemlich sinnvoll herausstellte, da der Andrang nun viel geringer war. Wie auch immer, ich war positiv überrascht als ich innerhalb von 15 Minuten nach eintreffen meine Aufentaltsgenehmigung in den Händen hielt, nur um schon wieder daran erinnert zu werden wie die Sachen hier laufen, denn einen Schönheitsfehler hat das ganze dann doch: Die Genehmigung ist nur für ein halbes Jahr gültig, was unter Umständen bedeuten kann das ich mich nochmal einreihen muss um den Stempel für ne Verlängerung zu bekommen. Man sagte mir zwar inzwischen das es alles ganz einfach wäre aber ich traue dem Braten nicht. Warum das Ding nur für weitere 5 Monate gültig ist konnte mir keiner sagen, die Dokumente wurden alle mit richtigen Daten versehen…. Aber allzu überrascht war ich dann doch nicht, nur froh das ich für den Moment wieder aus diesem mit traumatischen Ereignissen beladenen Gebäude raus kam.

In den letzten paar Wochen war ich auch ein paar mal öfter abends weg als sonst, bin jetzt auch im Nachtleben komplett angekommen. Hier weggehen macht riesig Spaß, da man in den ganzen kleinen Seitengassen der Haupttouri- und Partystrasse (der Istiklal Cd.) einfach umherschlendern kann und selbst eine kleine abgewrackte Bar durch die Umgebung und die freundlichen Leute zum Erlebnis wird.
Gestern war dann Nationalfeiertag, was auch der Grund für mein 6-Tage Wochenende ist 🙂

Von der Uni kann ich auch nicht aufhören zu schwärmen, vor allem die Dozenten sind echt was komplett anderes als in Deutschland. Obwohl wie schon erwähnt die Thematik im großen und ganzen die gleiche ist, wird an alles viel lockerer herangegangen und zum Nachdenken angeregt, was nicht nur Spaß macht sondern auch effektiever fordert.

Die Republik ist gestern 85 Jahre alt geworden und wurde natürlich mit Pomp und Trara gefeiert. Schon allein aus deutscher Vergangenheitsverantwortung, vor allem aber aus Neugier, wollte ich mir die Militärparade hier ansehen. Leider konnte niemand so recht rausbekommen wo die war, und als es mir dann Omar gesagt hat war es schon zu spät. Anyways. Die ganze Stadt ist in Rot und Weiß gehüllt. An jeder Bäckerei, jeder Bank, sogar an nem Sexshop an dem ich vorbeigefahren bin hängen türkische Fahnen und Atatürk Bilder. Als Westeuropäer ist alles ziemlich verstörend, selbst wenn man es aus Frankreich am 14.Juli oder den USA am 04.Juli, wenn auch mit Unbehagen, gewohnt ist, ist es hier nochmal befremdlicher. Ob es an der anderen Kultur, der gottähnlichen Atatürkverehrung, dem Militarismus oder einfach an mir liegt weiß ich auch nicht.

Man lernt währenddessen ziemlich viel über sich selbst und die eigene Kultur, bzw. den nationalen Umgang mit Feiertagen, und obwohl ich mir manchmal ein bisschen mehr Würde für den Tag der deutschen Einheit wünsche kann ich sehr wohl nachvollziehen warum die Generation unserer Großeltern, und teilweise auch Eltern, alles was mit nationalen Feiereien zu tun hat verdrängt – auch wenn es mit der Zeit wohl ein bisschen übertrieben wurde. Als ich vorgestern in Kadiköy auf die Fähre gewartet habe, glitt mein Blick rüber zu goldenen Atatürstatue, die von unzähligen Kränzen und Verzierungen geschmückt wurde. Auf See ankerte ein Zerstörer der Marine von dem Musik tönte, im Hintergrund lief auf einer riesigen Projektionswand Werbung für die Riesenparty am Taksimplatz, untermahlt mit Musik die sich etwa wie Scooter auf Türkisch anhörte. Der Unterschied bestand darin das der Text nicht auf H.P. Baxxter-art absurd war, sondern, so übersetzte man mir, vom Zerstören der Feinde, Gesängen auf die Väter, Stahl und Blut usw. handelte. Genau das ist das verstörend-befremdliche an den ganzen Feiereien hier – das Vokabular ist deutlich archaischer.
Ich hab mir Montag wiedermal ne Erkältung eingefangen, langsam wird es hier echt kalt, deshalb war ich dann auch nicht auf der großen Party Abends – meine Kommilitonen sind nach Kadiköy gegangen wo ein Fackelmarsch zum Gedenken an die Republik stattgefunden hat. Bei sowas und den ganzen roten Fahnen fühlt man sich ein bisschen wie in Berlin ´39, wofür die Türken ja nicht unbedingt was können, befremdlich und unzeitgemäß ist es trotzdem.

Wie immer hab ich nicht allzu viele Fotos gemacht da ich wie gesagt krank war und gestern bis auf 5 Stunden im Bett mit Tee und TylolHot, einem supi Antigrippemittel, verbracht habe. Um das ganze Ausmaß des Feiertages zu demonstrieren möchte ich allerdings Omars ausgezeichneten Post vom letzten Jahr empfehlen, die Fotos sagen mehr als tausend Worte, danach bleiben keine Fragen offen 😉

OMARS BLOGEINTRAG

Ein Hoch auf deutsche Bürokratie

Na dann wollen wir mal, is ja schon ein bisschen her…
Der Alltag hat sich eingebürgert und ich fahre Montag bis Mittwoch immer brav zur Uni. Wie schon erwähnt ist die Fahrt ziemlich fad und der Fakt das ich wenn ich um 11.30 Uni habe um 7 aufstehen muss um dann noch 2 Stunden an der Uni zu warten nervt ziemlich. Aber dafür ist das Wochenende ja 4 Tage lang.
An den Wochenenden wird dann meistens der ganze Kram gemacht der sich so anstaut (wie Putzen, Waschen, Lesen, etc) und ab und zu wird natürlich auch mal weggegangen 🙂
Gestern war ich das erste Mal mit meinen Mitbewohnern weg, war echt supi, ich kann nicht aufhören zu betonen was für ein Glück ich mit ihnen habe.

Letzte Woche war ich mit ner Gruppe Studenten im Emniyet, einer Art Mega-Einwohnermelde- bzw. Ordnungsamt.
Auf dem Weg dahin hat sich der, noch total verschlafene weil um 7 Uhr aufgestandene, David dann noch ne kleine Platzwunde am Kopf zugezogen weil er in Trance gegen das Metalldach eines Dönerstandes gelaufen ist. Der Tag hat also schon gut angefangen. Als wir dann gegen 8.30 durch alle Sicherheitskontrollen durch waren, haben wir brav ne Nummer gezogen und angefangen zu warten das wir dran kommen. Das Gebäude an sich hatte etwas sehr kasernenartiges, was zu einem großen Teil daran lag das es wohl auch unter anderem eine Polizeikaserne ist. Überall stehen Polizisten mit Maschinengewehren im Anschlag rum und gucken grimmig, der Hof durch den man musste dient gleichzeitig als Parkplatz für Polizeipanzer, Wasserwerfer und Mannschaftstransporter und im 30min Takt flog ein Helikopter über das Gelände.
An sich habe ich mir gedacht wartet man 1-2 Stunden und geht dann wieder, weshalb ich ziemlich miesepetrig war das wir so früh hingegangen sind, doch es kam alles ganz anders… Ich hatte die Nummer 22 an meinem Schalter, und als um 12.30, also nach 4 Stunden Aufentalt, die Mittagspause begann und der Hänger im Büro bei Nummer 9(!!!!) war, fing sich mir langsam das ungemütliche Bild eines Ganztagesaufentalts abzuzeichnen. So kam es dann auch. Ich kam mir beim Warten vor wie in einem Gefängnis – alles stand dicht an dicht gedrängt in der „Schlange“, einem riesigen Menschenknäul in einem 3m breiten Flur. Man hört Sprachfetzen aus aller Herrn Länder, Babys schreien ununterbrochen, Menschen schwitzen, schreien, weinen. Es gibt keine Sitzmöglichkeiten, das heisst hier und da sitzen Leute mitten in der Masse auf dem Boden, es gibt keine elektronischen Anzeigen die sagen wer wann am Schalter dran ist so das, in dem Raum in dem auf ca. 50qm 7 Schalter sind, ständig Leute durchwollen um zu fragen welche Numemr gerade bedient wird. der Korridor vor den Schaltern ist keine 1,5m breit so das wenn man zum Schalter am Ende will, durch ganze Horden von oben beschriebenen Menschen muss, ab und zu ist auch mal ein schreiendes ungewickeltes Baby daunter.

Als ich um 15.15 an den Schalter kam grinste mich ein etwas untersetzter Mittdreißiger an der, nachdem er seinen Tee fertig getrunken hatte, langsam meine Papiere durchgckte und anfing zu areiten, was ungelogen folgendermaßen ablief:
mich angucken, die Papiere angucken, mich angucken, die Papiere angucken, Tee trinken, neuen Tee holen, mich angucken, etwas schreiben, Tee trinken, eine Olive essen, einen Mülleimer für den Kern suchen, verdutzt feststellen das die Hände nun dreckig sind, mich angrinsen und zur Toilette gehen um sich die Hände zu waschen, wiederkommen, vergessen neuen Tee mitzubringen, also wieder aufstehen und Tee holen, auf dem Rückweg 5min mit nem Kollegen über die Witzeseite in der Zeitung die der Kollege gerade liest lachen, etwas schreiben, mich angucken, ans Handy gehen und mit der Familie über das Abendessen reden, etwas schreiben, ne Kippe rauchen gehen, etwas schreiben, neuen Tee holen, auf dem Rückweg mit nem Freund in der Schlange reden und während alle anderen zugucken 5min mit ihm reden, mich darauf hinweisen das ich mit dem Wisch den er mir gegeben hat bezahlen muss, allerdings im Büro das nur noch 10 Minuten auf hat und ne ewig lange Schlange hat.
Am Bezahlschalter ging dann alles ziemlich schnell, so dass ich noch bezahlen konnte und um 16.05 das Gebäude verlassen hatte – nach 8 Stunden Aufentalt.
Von anderen Leuten die da waren habe ich Geschichten gehört das zwei „Beamte“ vor den Augen der wartenden Massen angefangen haben Karten zu spielen! Nie wieder werde ich mich über deutsche Bürokratie beschweren, Lektionen in Demut gibts in der Türkei, für alle die die Zustände in deutschen Ämtern kritisieren.
Das war der schlimmste Tag den ich bis jetzt in Istanbul hatte. Vor dem Hintergrund das ich wegen der Aktion am morgen tierische Kopfschmerzen hatte und 3 Stunden geschlafen hatte, ergänzt durch die unbeschreibliche Situation auf den Fluren…
Ich muss nächste Woche nochmal hin um meine Aufentaltsgenehmigung abzuholen, ich hoffe das geht dann schneller, ein weiteres mal halte ich nicht durch, nun weiß ich auch warum da so viele Leute mit MGs sind, denn bei den Zuständen kann es durchaus passieren das man Amok läuft.

ps: für alle die drin sind: habe 2 fotoalben in studivz gestellt

Ne Woche Urlaub

Tjaaa…. Hatte die Woche kaum Zeit zum schreiben, war mit Julia so gut wie überall wo der gute Touri hätte sein müssen.
Julia ist gut angekommen und bis auf eine längere Wartezeit am Flughafen ist alles reibungslos abgelaufen, hab die dann um 4 Uhr morgens am Taksim abgeholt.
Montag, nachdem ich ihr die Innenstadt gezeigt habe, hat Lars Geburtstag gefeiert, was seeeeeehr lustig war, denn man ist gut mit all den Fremden ins Gespräch gekommen und hatte richtig Spaß. Es waren zwar fast gar keine Türken da, was etwas befremdlich wirkte mitten in Istanbul, aber schön war es trotzdem. Viele Engländer, Australier, Neuseeländer etc. – alles was sich hier an „Ex-pats“ (expatriates) so tummelt. Wir haben sogar 3 Deutsche getroffen, die zwar niemanden in der Wohnung kannten, so wie die Hälfte der Anwesenden, aber genau dieser Faktor war das spaßige daran.
Dienstag und Mittwoch ging es weiter mit Wandertouren durch Nebengassen und die Altstadt, bis wir dann Donnerstag nach Büyükadar, die grösste der Prinzeninseln vor Istanbul, gefahren sind. Den Trip hatte Bahar für alle Erasmusstudenten organisiert, so das wir insgesagt ca 20 Leute waren. Wir hatten echt Glück mit dem Wetter und haben bei wolkenlosen 26°C auf der Insel, direkt am Meer gegrillt und rumgelegen. Im großen und ganzen hat man sich nicht ansatzweise wie eine Stunde Bootsfahrt von Istanbul gefühlt sondern eher wie auf Zypern oder irgend ner Ägäis Insel.


Freitag sind wir dann nochmal auf die Altstadttour gegangen und ich musste nochmal, diesmal leider nicht umsonst, in die Hagia Sophia (um es vorzubeugen: geprochen HAYA Sophia). War wieder schön, aber ich war ja grad vor 2 Wochen mit der Uni drin. Danach gings auf den großen Basar, echt lustig, da werd ich bestimmt noch das eine oder andere Kleidungsstück käuflich erwerben. Gefeilscht hab ich auch – um nen Nagelknippser. Hab ihn statt für 5 Lira für 3 bekommen YAY! 😉
Samstag hab ich dann endlich mal was für die Uni gemacht, dafür hatte ich die ganze Woche keine Zeit, Morgen gehts dann auch schon wieder los, diesmal mit endgültigem Stundenplan, bis Morgen konnte der noch geändert werden.
Julia fliegt nachher, leider hat sie sich kategorisch geweigert was zu bloggen. War trotzdem sehr schön, Nachahmer sind herzlich eingeladen.
Liebe Grüße

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