Wahl, dies und das

Nach wieder etwas länger gewordener Pause, hier mal wieder der aktuellste Stand der Dinge.
Zu den US Wahlen, dem geistigen Highlight der letzten Wochen habe ich mich schon vor Wochen auf die Gästeliste des US Konsulats setzen lassen – war erstaunlich einfach mit einer Mail abgetan. Das Konsulat selbst, das Gerüchten zufolge am besten befestigtste Botschaftsgebäude der Welt, welches auf einem eigenen kleinen Berg/Hügel im Norden der Stadt steht, ist ein bisschen schwer zu erreichen, weshalb die Veranstaltung auch nicht dort stattfand. Im Gegensatz zum deutschen, französischen und eigentlich fast allen anderen Konsulaten befindet sich das US Konsulat wohl zurecht weit außerhalb enger, von Menschenmassen frequentierter Gegenden, denn der letzte Anschlag mit längeren Schusswechseln und sechs Toten liegt nur ein paar Monate zurück.
Wie schon angesprochen fand das “Election breakfast” dann woanders statt, nämlich im um einiges näheren Sheraton Hotel. Durch die Zeitverschiebung und die Zeit die die Auszählung braucht, begann das ganze erst um sieben Uhr morgens, was es zu einem Kraftakt für mich machte da ich die ganze Nacht über schon am Laptop gehockt hatte und den TV-Livestream über die Wahlnacht verfolgt hatte. Völlig verpennt und ausgehungert (das nicht ohne Absicht ;)) kam ich dann pünktlich um 6.55 Uhr an um gerade noch den Anfang von Obamas Siegesrede zu sehen, das es kein enges Rennen werden würde war ja schon gegen 3 Uhr klar. Das Frühstück selbst war trotzdem wirklich super interessant, hier ein paar miese Fotos


Man hatte sich richtig Mühe gegeben und einiges in Dekoration investiert – an den Wänden unter der Decke hingen alle Flaggen und Siegel der einzelnen 50 Bundesstaaten und aller assoziierter Territorien, alles war voll bis oben hin mit rot-weiß-blauen Luftballons, Girlanden und sonstigem Bimbes. Es gab Essen im Massen umsonst, da als Sponsoren alles amerikanische von Starbucks über McDonalds bis hin zu Pepsi UND Coca Cola da war und Stände mit haufenweise Personal unterhielt das beim kleinsten Blick auf all die Leckereien auf einen zugesprungen kam und mit Speis und Trank überhäufte.
Insgesamt waren um die 15 Kamerateams da, und der wie gesagt ziemlich verschlafene und tranige David dürfte Live Interviews für Channel 6 News und Al-Arabiya geben. Das das ganze Live war hat man leider erst danach mitbekommen. Die Kamerateams haben alles was nur annähernd studentisch aussah (und das waren einige) angesprungen und vor die Kamera gezerrt. Drei meiner Kommilitonen haben mit ein bisschen mehr Enthusiasmus das gleiche für andere Sender gemacht. Am End war es nicht so spektakulär wie es sich anhört, über das Niveau von „Wo kommen Sie her und wie gefällt Ihnen die Türkei“ und „Was sehen Sie in der Wahl von Obama“ gingen die Fragen nicht hinaus. Gegen Ende der Veranstaltung hielt dann noch die Generalkonsulin einen Vortrag wie sehr die USA und die Türkei sich mögen etc. Zum Schluss gab es noch eine Podiumsdiskussion, oder eine Reihe aneinander angereihter Statements türkischer Politologen (einer von meiner Uni war auch dabei), zur Wahl. Leider komplett in Türkisch, was den Lautstärkepegel der Veranstaltung ziemlich negativ beeinflusste da nur gut die Hälfte der Anwesenden das Professorenteam verstand…
Völlig im Eimer, aber glücklich wie der Rest der Welt (und vor allem satt und mit Haufenweise Nippes bepackt) bin ich dann gegen 11 nach hause gefahren und wie ein Stein ins Bett geplumpst.

Die ersten Klausuren sind geschrieben, mit politischer Philosophie werd ich irgendwie nie so recht Freund werden, weder hier noch in Deutschland. Trotzdem lief alles ganz ok, die nächsten mid-term-exams folgen dann in zwei Wochen und im Dezember.
Letzte Woche war Atatürks Todestag, an dem, wie in jedem Artikel über die Türkei beschrieben, das ganze Land still steht. Habs mir irgendwie ehrfurchtgebietender vorgestellt, was allerdings daran gelegen haben mag das ich grad im Bus in die Uni saß und die Landesweite Schweigeminute mit Verkehrsstillstand nicht aus voller Fahrt erleben konnte da der Verkehr an dem Morgen sowieso ziemlich stockend war und um exakt 9.05, dem Todeszeitpunkt, gerade ausnahmsweise freie Fahrt war so das der Busfahrer dann nicht wirklich voll der Andacht war und Gas gegeben hat um wenigstens ein bisschen vom Fleck zu kommen. Aber von pathosangereicherten Feiern hab ich sowieso erstmal genug 😉
Zum Schluss noch die freudige Nachricht das ich endlich eine normale Kingsize Maztratze mein eigen nennen kann. Bis jetzt hab ich auf einer Luftmatratze geschlafen die mir mein Vorgänger hinterlassen hatte. Hört sich schlimmer an als es war, denn es war ne gute, die nix mit Camping zu tun hat. Und schließlich hat er auch ein Jahr drauf geschlafen. Letzten Endes hab ich sie zu stark aufgepumpt weshalb sie durch einige schwierig zu erklärende Prozesse in ihrem Inneren zum Schluss aussah wie eine Mischung aus schwangerer Seekuh und Sitzsack. Bin ins Nachbarviertel Besiktas gefahren und hab dort gesucht, da es bei mir um die Ecke nur Tourikram und Luxusprodukte gibt. Besiktas ist eher ein Einheimischenviertel, so dass es nicht allzu schwer war die „Matratzenstrasse“ ausfindig zu machen (in Istanbul sind Strassenzüge oft nach Produktangeboten organisiert, so gibt es neben der recht bekannten Musikstrasse auch die weniger berühmte Lampen-, Badezimmerarmaturen- und Toilettenstrasse).
Anyways, hab ne gute billige Matratze gefunden und schlafe letzten Endes doch deutlich besser.

Zu guter Letzt noch zwei Spiegel-Artikel die zwei hier aktuelle Themen relativ gut wiedergeben.
Auf die Klage des Bürgermeisters der Stadt „BATMAN“ warte ich schon seit dem ich vor Jahren das erste mal von dieser Kuriosität gehört habe, mit dem Atatürkfilm kann man ein weiteres mal anhand von Reaktionen und Sekundärereignissen recht gut sehen welch kompliziertes Verhältnis die Türken sowohl zu ihrem Staatsgründer als auch zu einigen schwierigen Ereignissen in ihrer Vergangenheit haben – ohne das in irgendeiner Wiese zu werten. Interessant ist es allemal.

Neuer Atatürkfilm sorgt für Kontroversen

Türkischer Bürgermeister verklagt Warner-Bros.

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