Happy Birthday

Nachdem ich ja den Stress mit der Aufentaltsgenehmigung schon geschildert habe, bin ich letzte Woche nochmal in die Kaserne gegangen um mir den Wisch abzuholen. Verfolgt von der Angst wieder 7 Stunden warten zu müssen hab ich mich mit ein paar Kommilitonen auf den Weg gemacht. Diesmal sind wir erst mittags hingegangen, was sich als ziemlich sinnvoll herausstellte, da der Andrang nun viel geringer war. Wie auch immer, ich war positiv überrascht als ich innerhalb von 15 Minuten nach eintreffen meine Aufentaltsgenehmigung in den Händen hielt, nur um schon wieder daran erinnert zu werden wie die Sachen hier laufen, denn einen Schönheitsfehler hat das ganze dann doch: Die Genehmigung ist nur für ein halbes Jahr gültig, was unter Umständen bedeuten kann das ich mich nochmal einreihen muss um den Stempel für ne Verlängerung zu bekommen. Man sagte mir zwar inzwischen das es alles ganz einfach wäre aber ich traue dem Braten nicht. Warum das Ding nur für weitere 5 Monate gültig ist konnte mir keiner sagen, die Dokumente wurden alle mit richtigen Daten versehen…. Aber allzu überrascht war ich dann doch nicht, nur froh das ich für den Moment wieder aus diesem mit traumatischen Ereignissen beladenen Gebäude raus kam.

In den letzten paar Wochen war ich auch ein paar mal öfter abends weg als sonst, bin jetzt auch im Nachtleben komplett angekommen. Hier weggehen macht riesig Spaß, da man in den ganzen kleinen Seitengassen der Haupttouri- und Partystrasse (der Istiklal Cd.) einfach umherschlendern kann und selbst eine kleine abgewrackte Bar durch die Umgebung und die freundlichen Leute zum Erlebnis wird.
Gestern war dann Nationalfeiertag, was auch der Grund für mein 6-Tage Wochenende ist 🙂

Von der Uni kann ich auch nicht aufhören zu schwärmen, vor allem die Dozenten sind echt was komplett anderes als in Deutschland. Obwohl wie schon erwähnt die Thematik im großen und ganzen die gleiche ist, wird an alles viel lockerer herangegangen und zum Nachdenken angeregt, was nicht nur Spaß macht sondern auch effektiever fordert.

Die Republik ist gestern 85 Jahre alt geworden und wurde natürlich mit Pomp und Trara gefeiert. Schon allein aus deutscher Vergangenheitsverantwortung, vor allem aber aus Neugier, wollte ich mir die Militärparade hier ansehen. Leider konnte niemand so recht rausbekommen wo die war, und als es mir dann Omar gesagt hat war es schon zu spät. Anyways. Die ganze Stadt ist in Rot und Weiß gehüllt. An jeder Bäckerei, jeder Bank, sogar an nem Sexshop an dem ich vorbeigefahren bin hängen türkische Fahnen und Atatürk Bilder. Als Westeuropäer ist alles ziemlich verstörend, selbst wenn man es aus Frankreich am 14.Juli oder den USA am 04.Juli, wenn auch mit Unbehagen, gewohnt ist, ist es hier nochmal befremdlicher. Ob es an der anderen Kultur, der gottähnlichen Atatürkverehrung, dem Militarismus oder einfach an mir liegt weiß ich auch nicht.

Man lernt währenddessen ziemlich viel über sich selbst und die eigene Kultur, bzw. den nationalen Umgang mit Feiertagen, und obwohl ich mir manchmal ein bisschen mehr Würde für den Tag der deutschen Einheit wünsche kann ich sehr wohl nachvollziehen warum die Generation unserer Großeltern, und teilweise auch Eltern, alles was mit nationalen Feiereien zu tun hat verdrängt – auch wenn es mit der Zeit wohl ein bisschen übertrieben wurde. Als ich vorgestern in Kadiköy auf die Fähre gewartet habe, glitt mein Blick rüber zu goldenen Atatürstatue, die von unzähligen Kränzen und Verzierungen geschmückt wurde. Auf See ankerte ein Zerstörer der Marine von dem Musik tönte, im Hintergrund lief auf einer riesigen Projektionswand Werbung für die Riesenparty am Taksimplatz, untermahlt mit Musik die sich etwa wie Scooter auf Türkisch anhörte. Der Unterschied bestand darin das der Text nicht auf H.P. Baxxter-art absurd war, sondern, so übersetzte man mir, vom Zerstören der Feinde, Gesängen auf die Väter, Stahl und Blut usw. handelte. Genau das ist das verstörend-befremdliche an den ganzen Feiereien hier – das Vokabular ist deutlich archaischer.
Ich hab mir Montag wiedermal ne Erkältung eingefangen, langsam wird es hier echt kalt, deshalb war ich dann auch nicht auf der großen Party Abends – meine Kommilitonen sind nach Kadiköy gegangen wo ein Fackelmarsch zum Gedenken an die Republik stattgefunden hat. Bei sowas und den ganzen roten Fahnen fühlt man sich ein bisschen wie in Berlin ´39, wofür die Türken ja nicht unbedingt was können, befremdlich und unzeitgemäß ist es trotzdem.

Wie immer hab ich nicht allzu viele Fotos gemacht da ich wie gesagt krank war und gestern bis auf 5 Stunden im Bett mit Tee und TylolHot, einem supi Antigrippemittel, verbracht habe. Um das ganze Ausmaß des Feiertages zu demonstrieren möchte ich allerdings Omars ausgezeichneten Post vom letzten Jahr empfehlen, die Fotos sagen mehr als tausend Worte, danach bleiben keine Fragen offen 😉

OMARS BLOGEINTRAG

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Ein Hoch auf deutsche Bürokratie

Na dann wollen wir mal, is ja schon ein bisschen her…
Der Alltag hat sich eingebürgert und ich fahre Montag bis Mittwoch immer brav zur Uni. Wie schon erwähnt ist die Fahrt ziemlich fad und der Fakt das ich wenn ich um 11.30 Uni habe um 7 aufstehen muss um dann noch 2 Stunden an der Uni zu warten nervt ziemlich. Aber dafür ist das Wochenende ja 4 Tage lang.
An den Wochenenden wird dann meistens der ganze Kram gemacht der sich so anstaut (wie Putzen, Waschen, Lesen, etc) und ab und zu wird natürlich auch mal weggegangen 🙂
Gestern war ich das erste Mal mit meinen Mitbewohnern weg, war echt supi, ich kann nicht aufhören zu betonen was für ein Glück ich mit ihnen habe.

Letzte Woche war ich mit ner Gruppe Studenten im Emniyet, einer Art Mega-Einwohnermelde- bzw. Ordnungsamt.
Auf dem Weg dahin hat sich der, noch total verschlafene weil um 7 Uhr aufgestandene, David dann noch ne kleine Platzwunde am Kopf zugezogen weil er in Trance gegen das Metalldach eines Dönerstandes gelaufen ist. Der Tag hat also schon gut angefangen. Als wir dann gegen 8.30 durch alle Sicherheitskontrollen durch waren, haben wir brav ne Nummer gezogen und angefangen zu warten das wir dran kommen. Das Gebäude an sich hatte etwas sehr kasernenartiges, was zu einem großen Teil daran lag das es wohl auch unter anderem eine Polizeikaserne ist. Überall stehen Polizisten mit Maschinengewehren im Anschlag rum und gucken grimmig, der Hof durch den man musste dient gleichzeitig als Parkplatz für Polizeipanzer, Wasserwerfer und Mannschaftstransporter und im 30min Takt flog ein Helikopter über das Gelände.
An sich habe ich mir gedacht wartet man 1-2 Stunden und geht dann wieder, weshalb ich ziemlich miesepetrig war das wir so früh hingegangen sind, doch es kam alles ganz anders… Ich hatte die Nummer 22 an meinem Schalter, und als um 12.30, also nach 4 Stunden Aufentalt, die Mittagspause begann und der Hänger im Büro bei Nummer 9(!!!!) war, fing sich mir langsam das ungemütliche Bild eines Ganztagesaufentalts abzuzeichnen. So kam es dann auch. Ich kam mir beim Warten vor wie in einem Gefängnis – alles stand dicht an dicht gedrängt in der „Schlange“, einem riesigen Menschenknäul in einem 3m breiten Flur. Man hört Sprachfetzen aus aller Herrn Länder, Babys schreien ununterbrochen, Menschen schwitzen, schreien, weinen. Es gibt keine Sitzmöglichkeiten, das heisst hier und da sitzen Leute mitten in der Masse auf dem Boden, es gibt keine elektronischen Anzeigen die sagen wer wann am Schalter dran ist so das, in dem Raum in dem auf ca. 50qm 7 Schalter sind, ständig Leute durchwollen um zu fragen welche Numemr gerade bedient wird. der Korridor vor den Schaltern ist keine 1,5m breit so das wenn man zum Schalter am Ende will, durch ganze Horden von oben beschriebenen Menschen muss, ab und zu ist auch mal ein schreiendes ungewickeltes Baby daunter.

Als ich um 15.15 an den Schalter kam grinste mich ein etwas untersetzter Mittdreißiger an der, nachdem er seinen Tee fertig getrunken hatte, langsam meine Papiere durchgckte und anfing zu areiten, was ungelogen folgendermaßen ablief:
mich angucken, die Papiere angucken, mich angucken, die Papiere angucken, Tee trinken, neuen Tee holen, mich angucken, etwas schreiben, Tee trinken, eine Olive essen, einen Mülleimer für den Kern suchen, verdutzt feststellen das die Hände nun dreckig sind, mich angrinsen und zur Toilette gehen um sich die Hände zu waschen, wiederkommen, vergessen neuen Tee mitzubringen, also wieder aufstehen und Tee holen, auf dem Rückweg 5min mit nem Kollegen über die Witzeseite in der Zeitung die der Kollege gerade liest lachen, etwas schreiben, mich angucken, ans Handy gehen und mit der Familie über das Abendessen reden, etwas schreiben, ne Kippe rauchen gehen, etwas schreiben, neuen Tee holen, auf dem Rückweg mit nem Freund in der Schlange reden und während alle anderen zugucken 5min mit ihm reden, mich darauf hinweisen das ich mit dem Wisch den er mir gegeben hat bezahlen muss, allerdings im Büro das nur noch 10 Minuten auf hat und ne ewig lange Schlange hat.
Am Bezahlschalter ging dann alles ziemlich schnell, so dass ich noch bezahlen konnte und um 16.05 das Gebäude verlassen hatte – nach 8 Stunden Aufentalt.
Von anderen Leuten die da waren habe ich Geschichten gehört das zwei „Beamte“ vor den Augen der wartenden Massen angefangen haben Karten zu spielen! Nie wieder werde ich mich über deutsche Bürokratie beschweren, Lektionen in Demut gibts in der Türkei, für alle die die Zustände in deutschen Ämtern kritisieren.
Das war der schlimmste Tag den ich bis jetzt in Istanbul hatte. Vor dem Hintergrund das ich wegen der Aktion am morgen tierische Kopfschmerzen hatte und 3 Stunden geschlafen hatte, ergänzt durch die unbeschreibliche Situation auf den Fluren…
Ich muss nächste Woche nochmal hin um meine Aufentaltsgenehmigung abzuholen, ich hoffe das geht dann schneller, ein weiteres mal halte ich nicht durch, nun weiß ich auch warum da so viele Leute mit MGs sind, denn bei den Zuständen kann es durchaus passieren das man Amok läuft.

ps: für alle die drin sind: habe 2 fotoalben in studivz gestellt

Ne Woche Urlaub

Tjaaa…. Hatte die Woche kaum Zeit zum schreiben, war mit Julia so gut wie überall wo der gute Touri hätte sein müssen.
Julia ist gut angekommen und bis auf eine längere Wartezeit am Flughafen ist alles reibungslos abgelaufen, hab die dann um 4 Uhr morgens am Taksim abgeholt.
Montag, nachdem ich ihr die Innenstadt gezeigt habe, hat Lars Geburtstag gefeiert, was seeeeeehr lustig war, denn man ist gut mit all den Fremden ins Gespräch gekommen und hatte richtig Spaß. Es waren zwar fast gar keine Türken da, was etwas befremdlich wirkte mitten in Istanbul, aber schön war es trotzdem. Viele Engländer, Australier, Neuseeländer etc. – alles was sich hier an „Ex-pats“ (expatriates) so tummelt. Wir haben sogar 3 Deutsche getroffen, die zwar niemanden in der Wohnung kannten, so wie die Hälfte der Anwesenden, aber genau dieser Faktor war das spaßige daran.
Dienstag und Mittwoch ging es weiter mit Wandertouren durch Nebengassen und die Altstadt, bis wir dann Donnerstag nach Büyükadar, die grösste der Prinzeninseln vor Istanbul, gefahren sind. Den Trip hatte Bahar für alle Erasmusstudenten organisiert, so das wir insgesagt ca 20 Leute waren. Wir hatten echt Glück mit dem Wetter und haben bei wolkenlosen 26°C auf der Insel, direkt am Meer gegrillt und rumgelegen. Im großen und ganzen hat man sich nicht ansatzweise wie eine Stunde Bootsfahrt von Istanbul gefühlt sondern eher wie auf Zypern oder irgend ner Ägäis Insel.


Freitag sind wir dann nochmal auf die Altstadttour gegangen und ich musste nochmal, diesmal leider nicht umsonst, in die Hagia Sophia (um es vorzubeugen: geprochen HAYA Sophia). War wieder schön, aber ich war ja grad vor 2 Wochen mit der Uni drin. Danach gings auf den großen Basar, echt lustig, da werd ich bestimmt noch das eine oder andere Kleidungsstück käuflich erwerben. Gefeilscht hab ich auch – um nen Nagelknippser. Hab ihn statt für 5 Lira für 3 bekommen YAY! 😉
Samstag hab ich dann endlich mal was für die Uni gemacht, dafür hatte ich die ganze Woche keine Zeit, Morgen gehts dann auch schon wieder los, diesmal mit endgültigem Stundenplan, bis Morgen konnte der noch geändert werden.
Julia fliegt nachher, leider hat sie sich kategorisch geweigert was zu bloggen. War trotzdem sehr schön, Nachahmer sind herzlich eingeladen.
Liebe Grüße

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