Frühling!

Der Frühling kommt anscheinend endlich – nach einem Monat konstantem Regen scheint nun größtenteils die Sonne. Ich bin grad mitten in der Klausurenphase, wobei die Schlimmeren zum Glück vorbei sind. Die Kommunalwahlen sind nun endlich auch passé, die Plakatierung in den Straßen war echt heftig, in manchen Straßen hat man den Himmel vor lauter Parteigirlanden nicht gesehen. Bis auf die üblichen 5 Todesfälle und Ausschreitungen im Süd-Osten ist es aber erwartungsgemäß gelaufen, die regierende AKP hat Stimmen eingebüßt, irgendwie ist alles wie vorher. Wie die meisten ja gesehen haben hatten wir hier Obamabesuch, weswegen ich Anfang der Woche bei strömendem Regen 20min vor meinem Haus aus dem Uni-Shuttlebus gelassen wurde weil die Innenstadt natürlich komplett gesperrt war. Zwei meiner Kommilitoninnen durften sogar mit zum Obama-meets-students Event, leider waren nur 2 von unserer Uni zugelassen und das waren dann halt türkische Master Studenten.

Diese Woche habe ich noch Uni, danach haben wir eine Woche Spring-break, in dem es nach Holland geht. Ich habe zwar ein schlechtes Gewissen das ich von der Türkei aus ausgerechnet in ein deutsches Nachbarland fliege, aber mein gesamter Freundeskreis aus dem letzten Semester kommt zum Königinnentag (nem niederländischen Feiertag) dahin, d.h. ungefähr 15 Leute.

Es tut mir ja leid es sagen zu müssen aber mit den Erasmus Leuten aus diesem Semester ist nicht viel los, oder ich bekomme davon nichts mit. Der Großteil bleibt auf dem Gefängniskampus und der Altersschnitt ist irgendwo zwischen 19 und 20, was unvorhersehbarerweise das Ausgehverhalten anscheinend ziemlich negativ beeinflusst. Mein Freundeskreis dieses Semester besteht daher vornehmlich aus den Überbleibseln des letzten Semesters und meinen Mitbewohnern – und Malte der von der von der TUD nachgerückt ist.

Es hört sich so klagend an, was es aber nicht soll, gefallen tut es mir immer noch, und nach längerem nachdenken vermisse ich außer Freunden und Verwandten aus Deutschland eigentlich echt nur Bratwurst…🙂

Und wieder ist es langer her….
Um mal wenigstens zu versuchen all das zusammenzufassen was in den letzten 8 Wochen passiert ist: Geburtstag gefeiert, von den meisten Freunden verabschiedet da sie wieder in ihre jeweilige Heimat sind, Heimaturlaub gemacht, krank geworden, wiedergekommen, weiter an die Uni….
Zuerst mein Geburtstag, der zwar schon lange zurück liegt aber einer Erwähnung wert. Ich habe meine Mitbewohner dazu überreden können eine Hausparty zuzulassen (bei der letzten mussten die Putzfrauen drei Tage am Stück kommen). Um es vorwegzunehmen, alles ist gut gegangen 
Ich hatte das ganze als Kostümparty angekündigt so das sich jeder verkleiden musste. Den Preis für die kreativste Verkleidung geht wohl unumstritten an die Holländergruppe die sich mit Strümpfen über dem Kopf, und Brillen, als David verkleidet hat. Ob ich mich geschmeichelt fühlen soll, weiß ich nicht lustig wars trotzdem irgendwie.
Der Rest des Januars war ausschließlich von Klausuren und Abschiedsfeiern geprägt die das eine oder andere Mal nicht allzugut für die Lebern des einen oder anderen Kommilitonen ausgingen. Ende Januar bin ich dann auf meinen Heimaturlaub aufgebrochen um natürlich am ersten Abend so krank zu werden das ich beinahe im Schlosskeller in Darmstadt umgekippt wäre. Wie man mir sagte waren es immer noch nachbeben des Krams aus Beirut, d.h. ich bin wieder/noch auf Antibiotika… yay
Trotzdem war es schön mal wieder Verwandte und Freunde zu sehen, selbst wenn das feiern dann doch etwas kurz gekommen ist.
Vorher hab ich auch noch meine Aufenthaltsgenehmigung verlängern müssen – diesmal hat es nicht wie letztes mal acht Stunden gedauert, sondern ganze… oho… 20 Minuten. Ich war total perplex als ich ins Gebäude gekommen bin – die haben da jetzt Sitzbänke!!! Und nen Fernseher auf dem die wohl nur ¾ legale Version von Asterix lief die gelegentlich hängengeblieben ist. Hat mich sehr überrascht, die Erneuerung passierte wohl mit den Mitteln die im neuen Jahr gekommen sind.
Lustigerweise hierzu ein CNN Artikel
http://inthefield.blogs.cnn.com/2009/03/02/a-rite-of-passage-for-ex-pats-in-turkey/


Irgendwie ärgert es mich zwar dass ich mit dem Schreiben nicht nach komme, aber mir ist einfach aufgefallen das mir nichts mehr auffällt. In den ersten Monaten gabs noch lustige Geschichten von den Eingeborenen, heute wird das alles im Kopf unter „hach ja, die Türken“ abgespeichert… (ohne dabei ignorant wirken zu wollen, aber es ist halt Alltag hier)
Die Uni hat wieder angefangen, hab wieder drei Tage die Woche – ansonsten ist alles beim alten geblieben, ausser das Lars seinen Job gekündigt hat und demnächst wohl eine eigene Sprachschule aufmacht, Amer arbeitet jetzt nebenberuflich als Übersetzer für Al-Jazeera.

Mutlu yıllar (Frohes neues Jahr)

Um direkt an meine Wiederkehr aus Syrien anzuschließen – Ich hab Besuch aus Deutschland bekommen, Felix, seine Freundin Maria und Martin sind zum Wochenende vor Weihnachten zu Besuch gekommen. Leider zum wahrscheinlich ungünstigst denkbaren Zeitpunkt, da ich Mittwoch das erste Mal beim Arzt war, und die drei Donnerstag schon gekommen sind. Das mit dem Arzt ist hier sowieso so ne Sache, da die Behandlung, und im Prinzip auch die Medikamente an der Uni zwar kostenlos sind, aber die Ärzte beide komischerweise soviel Englisch können wie 6. Klässler was zu einigen Verwirrungen führen kann und meist so endet das man einfach nen Studenten aus dem Wartezimmer dazu holt der dann übersetzt (was unter Umständen zu sehr peinlichen Situationen führen kann). Ich hab dann einiges an Medikamenten bekommen und 7 Tage später ging es mir dann wieder annehmbar gut, so von wegen normal essen, kein Fieber mehr und so…
Doof war das ganze wie gesagt ziemlich da ich eigentlich vorhatte mit den drei sowohl feiern zu gehen als auch ihnen die Stadt zu zeigen, was sich größtenteils erledigte, da ich 16 Stunden täglich geschlafen habe und nicht wirklich gut zu Fuß war. Sie sind dann bis auf anderthalb Tage alleine los und wir haben uns dann Abends wenigstens ein bisschen zusammengesetzt, aber wie gesagt, bin immer noch ein bisschen zerknirscht deswegen.
Zu Weihnachten habe ich mich dann wieder getraut mal was zu normales zu essen, selbst wenn ich es ein bisschen weit getrieben habe und das ganze ganz schön nach hinten hätte losgehen können: Wir haben uns alle am 25. Abends bei Tessa und Hendrik, dem Holländerpärchen getroffen und mit ca. 15 Personen ein riesiges Weihnachtsessen veranstaltet. Jeder hat etwas gekocht oder zubereitet, da gab es von Köttbullar (die Ikea Fleischbällchen), Kürbissuppe, nen Truthahn und vieles mehr – ich bin morgens zum Gewürzbasar gegangen, habe haufenweise Zeug gekauft und nen Riesentopf Glühwein gemacht. Ich bin bis 7 Uhr morgens dageblieben und habe im großen und ganzen 10 Stunden lang gegessen😀 war mal wieder nötig und hat ohne gesundheitlichen Rückschlag geklappt. An weihnachtlicher Stimmung war das der absolute Höhepunkt, denn ansonsten ist hier mit Festtagsstimmung natürlich nicht viel. Zwar ist der Taksimplatz geschmückt und dort steht sogar eine Art „Weihnachtsbaum“ aus Lichtern, aber es wird strikt darauf bestanden das das Neujahrsschmuck ist. Das ganze wird einfach in einen „westliche Kultur-Folklore“ Topf geworfen und hier verwertet, das Neujahrsfest war auch relativ verhalten weil es traditionell einfach nicht so tief verwurzelt ist wie z.B. der Bayram, und irgendwann importiert wurde.
An Heiligabend (was der einzige Tag war an dem es hier geschneit hat) war ich mit den Holländern in einer französischen Kirche um die Ecke, wenn ich es richtig verstanden habe war der Herr der den Gottesdienst gehalten hat der ansässige Bischof.
Die Tage danach hab ich außer lernen und erholen nicht viel gemacht, in der ersten Woche des neuen Jahres ging es dann direkt mit zwei Klausuren weiter.
Zu Silvester haben wir uns erst bei den Holländern getroffen und sind vor Mitternacht auf die Galatabrücke gegangen um uns das Feuerwerk über dem Goldenen Horn und dem Bosporus anzusehen. War sehr sehr lustig, es waren viele Gäste aus Holland dabei, insgesamt waren wir an die 25 Leute. Aus dem Feuerwerk wurde dann nichts, bzw. nur soviel wie in einem 1000 Einwohner Dorf in Deutschland. Wir haben uns alle gewundert, die meisten Leute waren auch ziemlich verhalten und haben uns eher belustigt angestarrt. Ich weiß nicht ob auch das ein Ausdruck des Kulturunterschiedes ist oder der andere Grund, wir haben nämlich ein paar Tage später rausgefunden das sowohl das große Fest aufm Taksim als auch die meisten Feuerwerke wohl wegen dem momentanen Krieg in Gaza abgesagt wurden…
Danach ging weiter auf eine Kellerparty in Eminönü, der Altstadt. Angekündigt wurde das ganze als Party in einer Jahrhunderte alten Zisterne mit haufenweise Studenten und Freibier – die Realität sah dann so aus das es zwar ein wahrscheinlich alter und relativ großer Keller war, nach ner Zisterne sah das ganze aber nicht aus. Zu allem Überfluss war auf dem Klo auch ne Wasserleitung kaputt so das das Wasser gute 5cm hoch stand, außerdem war die Garderobe voll als wir ankamen, was einige Leute Schals und Jacken gekostet hat. Karten wurden auch viel zu viele verkauft, so das es ein Gedränge wie beim Sommerschlussverkauf gab. Irgendwie wars dann doch nicht so schlimm wie es sich anhört, der Knaller war es aber auf keinen Fall.

Syrien + Libanon

Ok, irgendwann muss ich mich ja mal aufraffen und mich der Mammutaufgabe Reisebericht stellen😉

syrien

Meine Route

Ich bin morgens um 9 von Istanbul aus nach Gaziantep geflogen, was in der Südtürkei nahe der syrischen Grenze liegt. Erstmal gab es die abstruse Situation das ich aus dem Flughafen, der wörtlich im Nirgendwo liegt und von ner Art Wüste umgeben ist, raus gekommen bin und das erste was ich höre war Beethovens 7. aus den Flughafen Lautsprechern. Nachdem ich die Verwirrung überwunden habe musste ich mich erstmal ne Runde durchfragen wie ich den nun nach Syrien komme, da nicht wie im Internet angekündigt ein Bus fuhr. Taxi also…. zum Glück musste noch jemand an die Grenze so dass ich mir die Kosten teilen konnte (Jedenfalls auf dem Hinweg…). Leider habe ich kein Foto davon schießen können aber die Partnerstadt von Gaziantep ist Duisburg, was in einer riesigen Blumenformation gepriesen wurde. Kommt komisch wenn man durch die Wüste fährt und auf einmal eine Blumenanlage sieht auf der groß und breit Duisburg steht, untermalt vom Duisburger Stadtwappen. Nachdem ich dann nach guten 45Min an der syrischen Grenze angekommen war musste ich ja auch irgendwie drüber. Ein auf den ersten Blick ganz normal aussehender Türke mit Auto bot sich an mich für 20$ rüber nach Aziz zu fahren, was der nächste Ort hinter der Grenze ist und laut Mitfahrer des netten Menschen „mehr als 50km“ von hier war. Ich hab ihn dann auf 15$ runter gehandelt, was mir allerdings nicht viel brachte denn als ich die Tür geschlossen hatte grinst er mich an, drückt aufs Gas und ruft mir „Ok, ok 20$“ zu, was ich erstmal nur grummelig hingenommen habe. Auf der anderen Seite des Niemandslandes, das mit Hinweisen auf Mienenfelder und diversen Reihen Stacheldrahtzäunen doch schon ganz furchteinflössend war, müssen wir erstmal wieder aus dem Auto raus um die Grenzkontrollen zu passieren. Als mein achso netter Fahrer in ein Gespräch mit nem Grenzer verwickelt wurde bin ich mal zu einem anderen „Taxi“ gegangen und wollte wissen was er haben wollte um mich rüber zu bringen. Die Antwort war schockierenderweise 8$, woraufhin ich mich einfach in ein anderes Taxi gesetzt habe. Mein erster Fahrer war davon allerdings so erzürnt das er mich erst 10Min im Auto auf türkisch, dann auf Arabisch ziemlich grimmig angeschrien hat, um dann meinen neuen Taxifahrer so sehr einzuschüchtern das der mich nicht mehr haben wollte und raus geschmissen hat. Nachdem ich dann durch den ganzen Trouble 10 Leute um mich rum hatte die mir alle gesagt haben das ich ja ausm Westen komme und die paar Dollar ja nicht der Rede wert sind, hat „mein“ Fahrer dann demonstrativ angefangen mit einem Messer zu spielen, womit er wahrscheinlich versuchte Eindruck zu schinden, was allerdings lächerlich rüber kam, da 5m weiter die türkischen Grenzer mit Gewehren standen. Am ende haben wir uns auf 15$ geeinigt und es konnte weiter gehen. Nach einigen kleine Minibusfahrten bin ich dann in Aleppo angekommen und habe mich mit meinen 5 Wörtern Arabisch zu meinem Hostel durchgefragt, was unglaublich war, denn als ein ca. 70 jähriger mich nicht verstanden hat und mir aber unbedingt helfen wollte, ist er kurzerhand aufgestanden und hat durch den ganzen Bus geschrien das doch bitte mal alle helfen sollen da der arme Deutsche nicht weiter weiß. Lange Geschichte, hat noch ne Stunde gedauert, aber zum Schluss wurde ich von 6(!) Syrern, die alle gebrochenes Englisch sprachen, zur Haustür meines Hostels gebracht, um sicherzustellen das ich ankomme! Das Hostel war so lala, lustig war allerdings das mich der Rezeptionist auf Deutsch angeredet hat, da er um die 7 Sprachen spricht, was sehr überraschend war da ich in Syrien sonst nur wenige Leute getroffen habe die überhaupt Englisch sprechen. Verwirrend ist erstmal das syrische Geld, da der Eurpäer an sich ja erstmal denkt das wir in unserem Kulturkreis arabische Zahlen benutzen. Is irgendwie auch so, aber trotzdem benutzen sie komplett andere Zahlen, die man erstmal lernen muss. Nach ein paar Stunden und einigen Shawarmas (Syrischer Döner), hab ich mich dann mit Angelique getroffen, die ich vor gut 2 Monaten über Freundesfreunde in Istanbul kennen gelernt hatte. Sie ist Syrerin, wohnt in Aleppo und hatte mir schon vorher geschrieben ich solle mich melden wenn ich da bin. Das unglaubliche war das sie den Besuch anscheinend um einiges mehr durchgeplant hatte als ich, d.h. sie hat für die Tage in Aleppo eine Art Sehenswürdigkeitsliste und ein Ausgehprogramm angefertigt. Am Abend der Ankunft waren wir in der Bar des Aleppoer Sheraton Hotels, was ziemlich dekadent aussah, aber komischerweise billiger war als die Istanbuler Bars um die Ecke. Am nächsten Tag hab ich mir die Altstadt und die Zitadelle angeguckt, sehr beeindruckend, vor allem wenn man sich für mittelalterliche Geschichte interessiert – die Zitadelle ist echt riesig.

Abends bin ich dann wieder mit Angelique, mit der ich mich nach Arbeitsschluss getroffen habe ausgegangen. Wir waren auf einem Fest der armenischen Gemeinde von Aleppo, das sie mit organisiert hatte. Das war Freitag, und so diktatorisch Syrien auch ist, nach dem Fest sind wir mit ein paar anderen Leuten von der Party mit Bier in der Hand in eines der drei in Syrien existierenden Kentucky Fried Chicken gegangen und haben an einem Freitag(!) Abend in einem Arabischen Land in der Innenstadt gefeiert… Sehenswerte Situation. Überhaupt ist Aleppo sehr speziell, da es relativ viele Minderheiten gibt und die Stadt eine lange christliche Geschichte hat, so das neben jeder zweiten Moschee eine Kirche steht, was dem Stadtbild sehr zuträglich ist. Die nächsten Tage hab ich mir einige Sehenswürdigkeiten um Aleppo angeguckt, unter anderem St. Simeon, eine alte Kirchenruine die um eine Säule errichtet wurde auf der der heilige Simon angeblich 40 Jahre gebetet hat ohne sie zu verlassen… Dorthin hat mich Angelique gefahren und den Touriführer gemacht, danach haben wir im Restaurant nebenan für 3 Euro Nargile (Wasserpfeife) geraucht und gut gegessen. Am nächsten Tag ging es dann weier mit der Tour, ich habe mich wahrscheinlich peinlich oft bedankt, da mich ihre Perfektion als Gastgeberin wirklich überweltigt hat.

Der Weg nach Damaskus war relativ unkompliziert, es war zwar eine 6 Stunden Busfahrt, aber der Preis von 5€ hat entschädigt, und das Land hab ich auch gesehen, da Aleppo und Damaskus fast auf den entgegengesetzten Seiten des Landes liegen. In Damaskus hat es wieder einige Zeit gedauert bis ich mein Hostel gefunden hatte, was eigentlich gar keins war, sondern 3 Zimmer die der Besitzer als Hostel ins Internet gestellt hatte. Trotzdem sehr gut, mit eigener Dusche, super sauber und mit Fernseher. Damaskus an sich ist erstmal komplett anders als Aleppo. Die oben beschriebene Interreligiösität gibt es zwar in gewisser Weise auch, aber die Stadt ist doch deutlich arabischer als Aleppo. Ausserdem sieht man Hafez, den Vater vom momentanen Präsidenten Bashar al Assad wesentlich häufiger als im Norden, genauso wie angesprühte Wände auf denen dick und fett das Hisbollah Logo prankt. In meinem Hostel hab ich dann auch Benjamin, einen Medizinstudenten aus Marburg kennen gelernt, mit dem ich mich von Anfang an gut verstanden habe. Noch am gleichen Abend bin ich dann auf den großen Souq (Bazar) gegangen. Ich hatte es mir total anders vorgestellt, denn wo man in Istanbul quasi penetrant gezerrt wird mit Sprüchen wie „My friend, special offer for you“ wartet der Damazener doch deutlich länger bis er einen dann anspricht und ist generell um einiges beherrschter beim Verkaufen, aber vielleicht liegt das auch daran das es dort weniger Touristen gibt. Die Altstadt ist wunderschön. Im Zentrum liegt die große Umayyid Moschee, in der Johannes der Täufer begraben liegen soll, direkt daneben liegt das Grab von Saladin(!), und der Name der Hauptstrasse (Via Recta), lässt keinen zweifel zu wer das Stadtbild der Stadt neen den Arabern sonst noch so geprägt hat. Damaskus ist die weltweit am längsten kontinuierlich besiedelte Stadt ca. 8.000-10.000 Jahre). Am nächsten Tag habe ich mich mit Maria getroffen, einer Freundin von Angelique (die mir sogar eine syrische Sim-Karte gegeben hatte). Mit ihr verhielt es sich ähnlich wie mit ihrer liebenswerten Freundin aus Aleppo, sie hat mich herum geführt, mich ihren Freunden vorgestellt und mir zwanghaft alles bezahlt was wir gegessen haben. Für sie ist die Stadt zwar auch noch ein bisschen fremd, da sie in London aufgewachsen ist, aber an Plätze die ich von alleine nicht gefunden hätte hat sie mich trotzdem geführt. Krass war noch das Erlebnis das ich in der Altstadt hatte, da ich ja nur dank religiöser Feiertage überhaupt frei hatte. Wie in der Türkei auch, wird hier ein Schaf geopfert. Ich bin versehentlich in eine solche Schächtungsorigie hinein gelaufen und habe um die 10 Schafe in 15 Minuten verbluten sehen. Nach zwei Stunden bin ich zufällig wieder am gleichen Ort vorbeigekommen, und man immer noch beschäftigt.

Nach einer kleinen Pause am nächsten Tag bin ich nach Palmyra gefahren, eine alte Römerstadt mitten in der Wüste. Die Fahrt war lustig, der Bus mit dem ich gefahren bin hatte eine in manchen Teilen gesplitterte Windschutzscheibe und musste öfters anhalten da das Gepäckfach aufgegangen war und Gepäck auf die Strasse gefallen ist. Unbehaglich wurde es mir als ich meinen Pass abgegeben hatte und ich bei der Rückgabe durch den Busfahrer, zum Mittelpunkt des Busses wurde da mein Vorname nun mal jüdisch ist und ich ziemlich böse angegafft wurde bis der Fahrer das ganze gecheckt hat und, „Mr. Reiner from Germany“ hinzufügte. Überhaupt wurde ich ziemlich oft darauf angesprochen wenn ich meinen Namen sagte, genauso wie bei allen Passkontrollen immer geguckt und mehrmals gefragt wurde ob ich schon mal im „okkupierten Palästina“ war. Israel wird bis heute nicht anerkannt, die einzige Grenze die die beiden Länder haben sind die berühmten Golanhöhen… Anyways – Angekommen in Palmyra habe ich mich mit zwei Malaysiern zusammen getan um zu den Ruinen zu kommen. Mit den beiden habe ich den Rest des Tages verbracht, was ziemlich lustig war, denn wann immer sie gefragt wurden wo sie her kommen, sagten sie einfach pauschal China, weil sie das Gespräch wo Malaysia denn nun liegt ziemlich satt hatten. Palmyra an sich war ziemlich enttäuschend, da die einzige Restauration der Ruinen darin bestand eine alte Mauer wieder aufzubauen, damit man Eintrittsgelder verlangen kann. Wenn man so durch die Wüste schlendert, und ich meine wirklich Wüste, man fühlt sich wie in der Sahara, mit 23° im Dezember, tritt man hin und wieder auf irgendwelche Steine die so auf dem Boden liegen. Bei genauerem hinsehen stellt man dann fest das sie mit Reliefs überhäuft sind und in Europa garantiert in einem Museum lägen. Ein Highlight der ganzen Reise passierte dann aber auf der Burg die über der „Stadt“ thronte: nichts ahnend kroch ich durch die Gänge der Festung um irgendwann auf einem Plateau zu stehen und nur ein laut kicherndes „Hoi hoi Mr. Reineeeeeer“ höre. Als ich mich verwundert umdrehe steht Tessa, meine Kommilitonin, quasi Nachbarin und Freundin aus Istanbul vor mir und lacht sich einen ab. Ich hatte den Abend vor meinem Flug bei ihr und ihrem Freund Hendrik verbracht (wie so viele Abende) und mitbekommen das sie mit einer 5köpfigen Gruppe nach Zypern fliegen wollten um sich dann evtl. nach Hatay in der Südtürkei überzuschiffen. Das ganze sah dann so aus das sich ein Teil der Gruppe abgespalten hat und tatsächlich nach Hatay ist, von wo aus sie über die Grenze nach Syrien sind um dann ebenfalls nach Damaskus zu fahren. Leider haben wir uns nur 5Min unterhalten da ich eine Bus erwischen musste und die Holländer in Palmyra geblieben sind (für was auch immer, mehr als nen Tag braucht man da echt nicht). Ihre Planung ließ es auch nicht zu das wir uns nochmal sehen, trotzdem war es sehr… wunderlich. Verwirrt und Müde bin ich dann wieder zurück nach Damaskus gefahren um wie ein Stein ins Bett zu plumpsen. Am letzten Tag habe ich mich wieder mit Maria getroffen und nochmal eine kleine Stadttour gemacht, bevor es dann mit Benjamin und zwei Freundinnen von ihm, einer Australierin und einer Leipzigerin, nach Beirut ging. An der Libanesischen Grenze gab es dann schon wieder Probleme weil jemand behauptete ich hätte eine Seite aus meinem Pass herausgerissen, was dem Zweck diente meinen Aufenthalt im okkupierten Palästina zu verschleiern. Außerdem musste ich Visagebühren bezahlen, obwohl ein Aufenthalt von 48 Stunden oder weniger für umsonst ausgeschildert war… In Beirut angekommen hat es wie immer ne gute Stunde gedauert bis wir unser Hostel gefunden hatten, was wiederum sehr komisch war da die Wohnung in der wir untergebracht waren sowohl permanent als auch temporär vermietet wurde, so das neben den 5 Belgierinnen auf Durchreise, auch ein Amerikaner aus Maine dort wohnte, der anscheinend dort lebte. Am ersten Tag verlief alles ganz nett, die Stadt an sich ist ein krasser Kontrast zu Syrien. Überall gibt es westliche Restaurants und Geschäfte, so gut wie jeder spricht mindestens 2 Sprachen (Arabisch und Französisch, meist auch noch Englisch), die Innenstadt sieht eins zu eins aus wie Südfrankreich oder Italien. Auf einer Art Weihnachtsmarkt haben Kinder französische Lieder gesungen und um einen Weihnachtsbaum getanzt. Das war das weihnachtlichste was ich das ganze Jahr gesehen habe. Alles ist heraus geputzt und sauber, wenn da nicht die permanenten Kontrollen durch schwer bewaffnete Soldaten wären und man gelegentlich Einschusslöcher vom letzten Krieg mit Israel in alten Häusern sehen würde, würde man wirklich denken man wäre in einem Touriort in Südeuropa. Schon alleine wegen der wirklich prächtigen Moscheen und Kirchen wird die Stadt an Kosmopolitismus von nichts in der Gegend übertroffen, wobei sie allerdings auch ein Preisniveau wie Frankfurt hat. Beeindruckt von der westlichkeit haben wir dann auch in einem echt gehobenen Restaurant in der Innenstadt gegessen und für ein Essen soviel ausgegeben wie für eine ganze Wochenverpflegung in Syrien (20 €). Von da an ist die Geschichte allerdings schnell zu Ende, da ich in meinem Übermut in Beirut eine Creme Brulet gegessen habe, die mir jetzt noch schwer im Magen liegt. Angefangen hat alles mit Übelkeit, Durchfall und Fieber, was mich dazu zwang den zweiten Tag in Beirut im Delirium im Bett zu verbringen und in einem wirklich erbärmlichen Zustand zurück nach Aleppo zu reisen, von wo aus ich wieder über die Grenze nach Gaziantep und dem dortigen Flughafen wollte. Die Reise nach Aleppo war mal abgesehen von der echt nervige Grenzkontrolle geprägt von Schlaf und Paracetamol. Dort angekommen war es mir echt peinlich das Treffen das Angelique mit 20 ihrer Freunde organisiert hatte so unbeteiligt wieder zu verlassen, aber ich musste einfach schlafen. Am Sonntag bin ich dann mit einem Taxi (eine andere Möglichkeit wusste auch Angelique nicht) direkt zum Flughafen, sprich wieder in die Türkei gefahren, um dann Am Sonntag Abend wieder im trauten Heim in Istanbul an zu kommen, immer noch fiebrig und echt kaputt, wegen der Krankheit auch seit 72 Stunden nichts gegessen. Nachdem ich dann hier noch zwei Tage im Bett gelegen habe und es nicht besser wurde bin ich dann zum Arzt und habe neben drei anderen Medikamenten, ein Mähdrescher Antibiotikum bekommen, das ich nun zwei Wochen genommen habe und das gut geholfen hat. Das war die sehr sehr kurze Version, ich habe Anekdoten bis an mein Lebensende auf Lager, trotz der Krankheit hat es wirklich unglaublich viel Spaß gemacht und ich kann es nur wärmstens empfehlen, ich habe echt noch nie solche freundliche Menschen getroffen. Weihnachten, der Besuch meiner trauten Freunde aus Deutschland sowie Silvester folgen demnächst…

Frohen ersten Advent!

Ich wünschte hier wäre wenigstens ein bisschen Weihnachtsstimmung anwesend. Das einzige was hier daran erinnert ist das geschmückte deutsche Konsulat. Wenn ich irgendwas aus Deutschland vermisse dann sind es die Weihnachtsmärkte inklusive all den Leckereien und Bratwurstständen… Das Wetter ist ziemlich wechselhaft – letzte Woche waren es nochmal 20°C mit Sonnenschein, ein paar Tage später ging es dann wieder in Dauerregen und Kälte über.
Freitag und Samstag war ich in Ankara und habe Ahmet, einen Freund den ich in den ersten Wochen kennen gelernt habe, besucht. Er studiert und wohnt dort zusammen mit seiner Freundin. Ich hab auf ihrem Sofa geschlafen, alle waren wie immer hier extrem gute Gastgeber. Ankara an sich ist … sorry ich kann nicht anders sagen: echt scheußlich! Alle die schon da waren, inklusive meiner Mitbewohner, hatten mich gewarnt, aber wie schlimm kann die Hauptstadt eines Landes wie der Türkei schon aussehen… weit gefehlt. Die Stadt besteht ausnahmslos aus riesigen Betonklötzen. Nicht nur die üblichen Satellitensiedlungen um die Stadt sind in dieser, sehr an die Vorstellung erinnernd die man von irgendeiner kommunistischen Plansiedlung in Ostsibirien hat, Art erbaut, sondern auch die komplette Innenstadt. Unterbrochen wird das ganze nur von den Ministerien und Regierungsgebäuden, die zwar auch größtenteils Betonklötze sind, jedoch meist wenigstens eine Art eigenen Stil besitzen. Der wohlausschlaggebende Punkt der für Ankara als Hauptstadt war neben dem Bruch mit dem osmanischen Istanbul vor allem der Fakt das sie für Armeen unerreichbar weit draussen  liegt. Allerdings ist es auch nicht schwer etwas weniger schönes als Istanbul zu finden wenn man von dort kommt.
Eine der wenigen Sehenswürdigkeiten ist das Anitkabir, das Mausoleum von Kemal Atatürk. Eine Kommilitonin aus Berlin hat mich schon darauf vorbereitet und mir ausführlich die Parallelen zwischen der Architektur des Mausoleums und des Flughafens Berlin Tempelhof beschrieben. Der Komplex war, selbst wenn ich es mir noch größer vorgestellt hatte, sehr beeindruckend und strikt. Mal abgesehen vom „Tempel“ in dem Atatürks Sargopharg liegt gibt es natürlich noch ein recht ausführliches Museum das diverse Devotionalien und Gebrauchsgegenstände beheimatet. Angeschlossen an dieses Museum ist dann noch das Museum über den so genannten türkischen Unabhängigkeitskrieg (ein Term der von den meisten Professoren gemieden oder zumindest mit kritischen Hinweisen verwendet wird). Das Kriegsmuseum ist wie man es erwartet, voll von Ausstellungsstücken, nachgestellten Schlachtszenen und Gemälden vom aufopferungsvollen Kampf der Türken gegen die massakrierenden und marodierenden Griechen, aber was erwartet man schon wenn man ins quasi nationale Heiligtum einer solch nationalistischen Nation fährt, ich bin mir fast sicher das das Militärmuseum in Athen sehr ähnlich aussieht. Beste Freunde werden die beiden Länder wohl nie. Daneben gibt es natürlich noch einen Filmraum in dem ein etwas zu krass schmalzig-nationalistischer Film über Atatürks Leben läuft, aber wie schon gesagt, ich beschwer mich nicht, ich bin ja hingefahren und wusste was mich erwartet. Interessant war es allemal.


Abends waren wir dann noch was trinken mit ein paar von Ahmets Freunden, Samstag früh bin ich dann wieder nach Istanbul gefahren. Da ich verschlafen hatte bin ich mit nem Bus gefahren. Die Busse zwischen Ankara und Istanbul fahren selbst Samstags im 30Min Takt, was mir sehr entgegen kam. Die Fahrt an sich war echt schön, hin gefahren bin ich ja nachts so das ich nichts gesehen habe, auf der Rückfahrt gab es dann die ganze Vielfalt der anatolischen Landschaft zu sehen. Ich bin ja nun echt kein ausgesprochener Natur- bzw. Landschaftsfreund, aber überrascht und beeindruckt hat es mich trotzdem. Innerhalb von 50km reicht das Spektrum der Landschaft von Alpental-ähnlicher Bachkulisse über waldiges Seeufer bis schroffe, karge Marslandschaft mit nichts ausser ein paar Grasbüscheln und Flechten, im Hintergrund immer riesige Berge mit Schneekuppen.

Das ganze wäre allerdings noch besser zu genießen gewesen wenn ich am Fenster hätte sitzen können, was mir wie folgt verwehrt wurde: Der Bus hatte ca. 50 Plätze von denen insgesamt 16 belegt waren. Da die Plätze der Reihe nach verkauft wurden befanden sich alle Mitfahrer in den ersten vier Reihen des Busses, was auch den Rest der Fahrt so blieb. Als ich mich umsetzen wollte, weil ich zum Gang saß, hinter mir ein Baby schrie und der Typ neben mir geschnarcht hat, kam der Busbegleiter und mahnte mich sehr aggressiv „no change seat, no change seat!!!“. Mein Türkisch war leider zu schlecht um ihm irgendwas entgegen zu setzen und er sprach anscheinend auch nicht mehr Englisch als diese paar Wörter. Warum ich mich nicht umsetzen dürfte kann ich noch nicht mal erraten, aber als ich später nochmal versuchte bekam ich die gleiche unfreundliche Reaktion, so was hätte ich in Deutschland erwartet, hier hat es mich sehr überrascht .

An der Uni läufts ganz gut, die Mid-terms die nichts mit Philosophie zu tun hatten waren wesentlich besser, außerdem hab ich endlich angefangen das Unisportzentrum zu nutzen was nach einer Stunde Squash in 5 tägigem Muskelkater endete. Trotzdem toll, und alles umsonst – Squash ist echt nur zu empfehlen. Unter der Woche hab ich relativ viel mit dem Holländerpärchen und zwei Englandern zu tun, mit denen ich auch das Freundschaftsspiel letzte Woche zusammen verfolgt habe, Sprüche muss ich mir trotz unserer 1:2 Niederlage aber zum Glück nicht mehr anhören.
Nächste Woche gibts dann nochmal ne Woche Bayram Ferien. In diesen werde ich meine zweiteilige „Achse des Bösen Tour 08/09“ beginnen und über Gaziantep im Süden der Türkei nach Aleppo, Damaskus und Beirut fahren, worauf ich mich schon freue wie Bolle. Meine beiden Mitbewohner sind ja beide in Syrien aufgewachsen und haben von daher genügend Erfahrung und haufenweise Tipps für mich. Von Syrien hab ich bis jetzt nur gutes gehört, die Leute sollen aufgrund des nicht besonders positiven Bildes ihres Landes im Ausland, NOCH freundlicher sein, mal abgesehen davon das es dort natürlich, wie hier, geschichtsträchtige Orte en masse gibt.
Eigentlich wollte ich ja mit Omar aus Darmstadt fahren, aber ich habe mich erst vor ein paar Tagen endgültig dazu entschieden zu fahren, und wenn es so gut wird wie ich glaube werden mir die 11 Tage die ich frei habe eh nicht genug für das Land sein – und der Flug ist nicht allzu teuer.

Zum Schluss noch eine Filmkritik. Ich habe vor zwei Wochen mit Lars den Film „Kurtlar Vadisi: Irak“ gesehen. Sobald ich anfange davon zu reden muss ich echt zweimal überlegen bevor die Worte meinen Mund verlassen, denn so was hab ich einfach noch nicht gesehen. Der Film ist die Kino Version der beliebten Serie Kurtlar Vadisi (Tal der Wölfe) in dem der Protagonist, ein Geheimagent, die Mafia unterwandert und zerschlägt. Der Film hat sehr lose etwas mit der sog. „Sackaffäre“ zu tun bei der türkische Soldaten im Nordirak von Amerikanern festgenommen und mit Säcken über dem Kopf abgeführt wurden. Der Held des Films fährt mit seinen zwei Agentenfreunden in den Irak um den Organhandel treibenden, Kinder erschießenden US General aufzufinden und die Ehre der türkischen Nation wiederherzustellen indem er ihm einen Sack über den Kopf zieht. Eingespielt werden Szenen in denen US Soldaten Hochzeitsgesellschaften stürmen, dort Kinder erschießen und die gesamte Hochzeitsgesellschaft nach Abu-Ghraib deportieren wo sie nach der Folter von einem jüdischen Arzt ausgeweidet werden der dann ihre Organe nach London, New York und Tel Aviv verschifft. Auf dem Weg dorthin lassen haufenweise Kurden, offensichtlich Kollaborateure, ihr Leben.
Ich werd es nicht weiter ausführen, mehr als nur die Spitze des Eisberges ist es aber nicht. Der Film ist Action-technisch sehr gut gemacht, was damit zu erklären ist das es die teuerste jemals produzierte türkische Film ist. Der gesamte Film ist durchzogen mit allgegenwärtigem Antiamerikanismus, Antisemitismus und Seitenhieben in alle Richtungen, so ist das Hobby des US Generals zum Beispiel Klavierspielen, wobei er immer nur ein Stück spielt, die Ode an die Freude, die Hymne der EU…
Der Film hat schon als er raus kam für haufenweise Ärger gesorgt, leider nur in Deutschland wo er in einigen Kinos lief – in der Türkei war es der erfolgreichste Film aller Zeiten, der Ministerpräsident lobte ihn usw…
Genug des Ärgers, ich mag das Land immer mehr, aber wenn ich dann so was sehe…
Sogar Lars, der schon seit 3 Jahren hier wohnt war erheblich schockiert, Amer hat uns nur verächtlich angeguckt als wir ihm gesagt haben was auf dem Filmprogramm für den Abend steht. Am Ende ist Rambo auch nicht besonders politisch korrekt, aber irgendwo is auch mal gut

Artikel aus der „ZEIT“

In zwei Wochen kommt dann auch schon wieder der nächste Besuch, freu mich schon, eine wunderbare Vorweihnachtszeit noch.

Wahl, dies und das

Nach wieder etwas länger gewordener Pause, hier mal wieder der aktuellste Stand der Dinge.
Zu den US Wahlen, dem geistigen Highlight der letzten Wochen habe ich mich schon vor Wochen auf die Gästeliste des US Konsulats setzen lassen – war erstaunlich einfach mit einer Mail abgetan. Das Konsulat selbst, das Gerüchten zufolge am besten befestigtste Botschaftsgebäude der Welt, welches auf einem eigenen kleinen Berg/Hügel im Norden der Stadt steht, ist ein bisschen schwer zu erreichen, weshalb die Veranstaltung auch nicht dort stattfand. Im Gegensatz zum deutschen, französischen und eigentlich fast allen anderen Konsulaten befindet sich das US Konsulat wohl zurecht weit außerhalb enger, von Menschenmassen frequentierter Gegenden, denn der letzte Anschlag mit längeren Schusswechseln und sechs Toten liegt nur ein paar Monate zurück.
Wie schon angesprochen fand das “Election breakfast” dann woanders statt, nämlich im um einiges näheren Sheraton Hotel. Durch die Zeitverschiebung und die Zeit die die Auszählung braucht, begann das ganze erst um sieben Uhr morgens, was es zu einem Kraftakt für mich machte da ich die ganze Nacht über schon am Laptop gehockt hatte und den TV-Livestream über die Wahlnacht verfolgt hatte. Völlig verpennt und ausgehungert (das nicht ohne Absicht ;)) kam ich dann pünktlich um 6.55 Uhr an um gerade noch den Anfang von Obamas Siegesrede zu sehen, das es kein enges Rennen werden würde war ja schon gegen 3 Uhr klar. Das Frühstück selbst war trotzdem wirklich super interessant, hier ein paar miese Fotos


Man hatte sich richtig Mühe gegeben und einiges in Dekoration investiert – an den Wänden unter der Decke hingen alle Flaggen und Siegel der einzelnen 50 Bundesstaaten und aller assoziierter Territorien, alles war voll bis oben hin mit rot-weiß-blauen Luftballons, Girlanden und sonstigem Bimbes. Es gab Essen im Massen umsonst, da als Sponsoren alles amerikanische von Starbucks über McDonalds bis hin zu Pepsi UND Coca Cola da war und Stände mit haufenweise Personal unterhielt das beim kleinsten Blick auf all die Leckereien auf einen zugesprungen kam und mit Speis und Trank überhäufte.
Insgesamt waren um die 15 Kamerateams da, und der wie gesagt ziemlich verschlafene und tranige David dürfte Live Interviews für Channel 6 News und Al-Arabiya geben. Das das ganze Live war hat man leider erst danach mitbekommen. Die Kamerateams haben alles was nur annähernd studentisch aussah (und das waren einige) angesprungen und vor die Kamera gezerrt. Drei meiner Kommilitonen haben mit ein bisschen mehr Enthusiasmus das gleiche für andere Sender gemacht. Am End war es nicht so spektakulär wie es sich anhört, über das Niveau von „Wo kommen Sie her und wie gefällt Ihnen die Türkei“ und „Was sehen Sie in der Wahl von Obama“ gingen die Fragen nicht hinaus. Gegen Ende der Veranstaltung hielt dann noch die Generalkonsulin einen Vortrag wie sehr die USA und die Türkei sich mögen etc. Zum Schluss gab es noch eine Podiumsdiskussion, oder eine Reihe aneinander angereihter Statements türkischer Politologen (einer von meiner Uni war auch dabei), zur Wahl. Leider komplett in Türkisch, was den Lautstärkepegel der Veranstaltung ziemlich negativ beeinflusste da nur gut die Hälfte der Anwesenden das Professorenteam verstand…
Völlig im Eimer, aber glücklich wie der Rest der Welt (und vor allem satt und mit Haufenweise Nippes bepackt) bin ich dann gegen 11 nach hause gefahren und wie ein Stein ins Bett geplumpst.

Die ersten Klausuren sind geschrieben, mit politischer Philosophie werd ich irgendwie nie so recht Freund werden, weder hier noch in Deutschland. Trotzdem lief alles ganz ok, die nächsten mid-term-exams folgen dann in zwei Wochen und im Dezember.
Letzte Woche war Atatürks Todestag, an dem, wie in jedem Artikel über die Türkei beschrieben, das ganze Land still steht. Habs mir irgendwie ehrfurchtgebietender vorgestellt, was allerdings daran gelegen haben mag das ich grad im Bus in die Uni saß und die Landesweite Schweigeminute mit Verkehrsstillstand nicht aus voller Fahrt erleben konnte da der Verkehr an dem Morgen sowieso ziemlich stockend war und um exakt 9.05, dem Todeszeitpunkt, gerade ausnahmsweise freie Fahrt war so das der Busfahrer dann nicht wirklich voll der Andacht war und Gas gegeben hat um wenigstens ein bisschen vom Fleck zu kommen. Aber von pathosangereicherten Feiern hab ich sowieso erstmal genug😉
Zum Schluss noch die freudige Nachricht das ich endlich eine normale Kingsize Maztratze mein eigen nennen kann. Bis jetzt hab ich auf einer Luftmatratze geschlafen die mir mein Vorgänger hinterlassen hatte. Hört sich schlimmer an als es war, denn es war ne gute, die nix mit Camping zu tun hat. Und schließlich hat er auch ein Jahr drauf geschlafen. Letzten Endes hab ich sie zu stark aufgepumpt weshalb sie durch einige schwierig zu erklärende Prozesse in ihrem Inneren zum Schluss aussah wie eine Mischung aus schwangerer Seekuh und Sitzsack. Bin ins Nachbarviertel Besiktas gefahren und hab dort gesucht, da es bei mir um die Ecke nur Tourikram und Luxusprodukte gibt. Besiktas ist eher ein Einheimischenviertel, so dass es nicht allzu schwer war die „Matratzenstrasse“ ausfindig zu machen (in Istanbul sind Strassenzüge oft nach Produktangeboten organisiert, so gibt es neben der recht bekannten Musikstrasse auch die weniger berühmte Lampen-, Badezimmerarmaturen- und Toilettenstrasse).
Anyways, hab ne gute billige Matratze gefunden und schlafe letzten Endes doch deutlich besser.

Zu guter Letzt noch zwei Spiegel-Artikel die zwei hier aktuelle Themen relativ gut wiedergeben.
Auf die Klage des Bürgermeisters der Stadt „BATMAN“ warte ich schon seit dem ich vor Jahren das erste mal von dieser Kuriosität gehört habe, mit dem Atatürkfilm kann man ein weiteres mal anhand von Reaktionen und Sekundärereignissen recht gut sehen welch kompliziertes Verhältnis die Türken sowohl zu ihrem Staatsgründer als auch zu einigen schwierigen Ereignissen in ihrer Vergangenheit haben – ohne das in irgendeiner Wiese zu werten. Interessant ist es allemal.

Neuer Atatürkfilm sorgt für Kontroversen

Türkischer Bürgermeister verklagt Warner-Bros.

Halloween

Freitag war ja bekanntlich Halloween, weshalb die ganzen englischsprachigen „Expats“ (Expatriates=Auswanderer) hier Halloween gefeiert haben. Wir sind zu einer von Amirs Freundinnen gegangen und hatten unseren Spaß

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